Wenden wir uns dem Nahen Osten zu, um kurz einmal aufatmen zu dürfen. Während die Finanzhändler Europa und die Welt mit nachgerade apokalyptischem Trieb in die Krise stürzen, kommen aus dem Heimatland der Apokalypse gute Nachrichten. Der Friedensprozess in Israel und Palästina wird vorangetrieben. Endlich. Die US-Administration ist entschlossen, die Streithähne durch indirekte Verhandlungen einem Ausgleich näher zu bringen. US-Unterhändler George Mitchell ist in den Nahen Osten gereist, um die Gespräche mit dem Segen von Barack Obama zu führen. Kann daraus etwas werden?

"Auf keinen Fall!", werden die Pessimisten jetzt rufen. Die Palästinenser sind tief zerstritten, in Ramallah regieren moderate Fach- und Fatah-Leute, in Gaza extreme Hamas-Männer, beiden fehlt heute jede demokratische Legitimation. Auf Neuwahlen können sie sich nicht einigen.

Auf israelischer Seite sieht es gleichfalls düster aus. Die von halblinks bis extrem rechts reichende Koalition von Premier Netanjahu hat bisher alles getan, um den Friedensprozess zu torpedieren. Sie hofiert radikale Siedler, lässt Palästinenser aus ihren Häusern vertreiben, hat Israel in der Region weiter isoliert. Netanjahu hat es sogar fertiggebracht, sich mit einer Israel sehr wohlgesinnten US-Regierung zu zerstreiten.

Volkes Stimme gibt Pessimisten weitere Argumente. Leider schauen viele Israelis und Palästinenser heute mit Verachtung auf den "Friedensprozess", der so oft im Sande verlief, dass kaum noch einer darauf hofft. Manche halten einen baldigen Krieg für unausweichlich. Im Ausmalen apokalyptischer Szenarien stehen Israelis und Palästinenser den internationalen Finanzspekulanten in nichts nach.

Doch irren sie. Diese Friedensgespräche sind überfällig, notwendig - und sie könnten – richtig geführt - einem wichtigen Zweck dienen. Drei Gründe machen das klar.

Die USA sind mit Barack Obama wirklich entschlossen, voranzukommen – anders als unter der Vorgängerregierung Bush, die Verhandlungen zunächst als Übel, am Ende als lästige Pflicht ansah. Die jetzige Regierung und der Generalstabschef der USA sehen den Palästinakonflikt zu Recht als Bedrohung für ihre Truppen im Mittleren Osten an. Sie haben begriffen, wie Radikale jedes neue Siedlerhaus in Jerusalem und der Westbank zum Aufruf gegen die "Kolonisatoren" aus dem Westen missbrauchen. George Mitchell ist der richtige Verhandler, ruhig, erfahren und von einer geduldig-insistierenden Ausdauer, über die sich Araber und Israelis noch wundern werden.