Die koreanische Halbinsel steht vor einer neuen Zerreißprobe zwischen seinen beiden verfeindeten Nachbarstaaten . Nach den harschen Worten von Südkoreas Präsident Lee Myung, der sich mit seiner Sanktionspolitik der Unterstützung der USA und Japans sicher sein kann, stellt sich nun Nordkorea auf eine militärische Auseinandersetzung ein: Nach Medienberichten hat das Land seine Streitkräfte in Kampfbereitschaft versetzt.

Die Informationen der südkoreanischen Zeitung Economic Daily gehen zurück auf eine Dissidentengruppe, die in Seoul ansässige Vereinigung North Korea Intellectual Solidarity (NKIS). Demnach sei der entsprechende Befehl von Machthaber Kim Jong Il bereits in der vergangenen Woche im Rundfunk des Landes von seinem Vizeminister für Nationale Verteidigung, O Kuk Ryol, verlesen worden. Kim wolle zwar keinen Krieg, doch sei Nordkorea bereit, jeden Angriff des Südens zurückzuschlagen, habe es in der Erklärung geheißen. Zudem soll ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission – das höchste Entscheidungsgremium des Landes – Lee als "Verräter" beschimpft haben.

Der südkoreanische Geheimdienst kündgte an, den Hinweisen nachzugehen. Ganz so außergewöhnlich ist der Schritt aber nicht, setzt das Regime in Pjöngjang seine Truppen doch regelmäßig in erhöhte Alarmbereitschaft. Zudem hat der Norden bereits mehrfach mit Angriffen auf den Süden gedroht . Angesichts einer wesentlich besser gerüsteten Armee der Regierung in Seoul und rund 28.000 amerikanischen Soldaten auf der Halbinsel gleicht eine tatsächliche Attacke Experten zufolge allerdings einer Selbstmordaktion der nordkoreanischen Führung.

Diese fühlt sich zusätzlich provoziert durch neue Nachrichten aus Washington: So planen die USA zwei zuvor nicht vorgesehene gemeinsame Seemanöver mit Südkorea. "Angesichts dieses besonderen Vorfalls sind diese beide Aktionen wichtig, um unser starkes Fundament der Zusammenarbeit und Abschreckung auszubauen", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman. Er nannte keine Details, wann die Manöver stattfinden oder wie viele Schiffe und Soldaten daran beteiligt sein werden. Bei den Übungen solle es aber darum gehen, U-Boote aufzuspüren und abzuwehren sowie Bedrohungen durch Schiffe zu begegnen.

Zuvor hatte sich auch der US-Präsident demonstrativ hinter Seoul gestellt. Barack Obama sagte, er unterstütze im Konflikt um die Versenkung des Kriegsschiffes voll und ganz die Reaktion von Präsident Lee. Zugleich wies er das Militär an, eng mit ihren südkoreanischen Kollegen zusammenzuarbeiten, "um künftige Aggressionen zu verhindern".

Ausgangspunkt der neuen Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea ist der Untergang der südkoreanischen Korvette Cheonan , die laut einer internationalen Expertenkommission von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. Bei dem Zwischenfall Ende März unweit der umstrittenen Seegrenze beider Länder kamen 46 Seeleute ums Leben.

Südkorea verlangt nun eine Entschuldigung des Nachbarstaats und kündigte an, den Vorfall vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Dabei stellt sich wie Washington auch Paris hinter Lee. "Frankreich wird sich an der Seite seiner Partner im Weltsicherheitsrat dafür einsetzen, dass diese Aggression nicht ungestraft bleibt", teilte das Außenministerium mit. Bei der Attacke Nordkoreas auf das südkoreanische Kriegsschiff habe es sich um einen "verbrecherischen Angriff" gehandelt.

Unterdessen haben die Vereinten Nationen eine eigene Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Sie wollen prüfen, ob die Regierung in Pjöngjang gegen die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens von 1953 zwischen beiden koreanischen Staaten verstoßen hat. Dazu soll ein Expertenteam aus elf Ländern die Ergebnisse der Untersuchungskommission zum Untergang der Cheonan auswerten. Nordkorea lehnte dies ab. Für weitere Ermittlungen gebe es keinen Anlass, da die bisherigen Beweise ohnehin vom Süden gefälscht worden seien, um Spannungen zwischen beiden Ländern zu schüren, erklärte die Nationale Verteidigungskommission.