"Obama, send help" hatte Kate Houston auf ein großes Plakat geschrieben, nachdem sie die Nachricht auf ihrem Handy las. Sie steht am Straßenrand und hält das Schild in den Händen, als die Kolonne des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten an ihrem Haus vorbeirast.

Eine Freundin aus dem Planungsstab der Gemeinde Venice hatte sie per SMS alarmiert: "Stell dir vor, er kommt mit dem Auto. Dann muss er bei dir vorbei." Das schlechte Wetter war es gewesen, das Obama auf die Straße zwang. Eigentlich sollte der Präsident nach seiner Ankunft mit der Air Force One in New Orleans mit dem Hubschrauber ins Krisenzentrum an der Küste fliegen. Dort kam er schließlich zwei Stunden verspätet an – und zog sich erst einmal eine wetterfeste Jacke über.

Das Wetter war es auch, das die Arbeit der Boote des Ölkonzerns BP und der US-Regierung erschwerte. Hundert Schiffe sollten aufs Meer fahren und den von der gesunkenen Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko hinterlassenen Ölfilm mit Chemikalien zersetzen. Doch meterhohe Wellen zwangen selbst die Küstenwache dazu, kleinere Boote besser im Hafen zu lassen. Das Auslegen weiterer schwimmender Sperren (Fotostrecke) ging ebenfalls nicht so voran wie erhofft.

Politisch allerdings dürfte dem Präsidenten das Wetter gut ins Konzept gepasst haben. Der Oberbefehlshaber, der dem Sturm trotzt und alles Menschenmögliche gegen die Ölpest im Golf von Mexiko unternimmt – das ist die Botschaft, die von diesem Blitzbesuch ausgehen sollte. "Jeder Amerikaner soll wissen: Deine Regierung macht alles, was nötig ist und so lange, wie es dauert, um diese Krise zu beenden", rief Obama in die Kameras der angereisten Fernsehjournalisten.

Die Bürger sollten mit dem Gefühl in die Woche gehen, dass der Mann im Weißen Haus alles im Griff hat. Daran waren in den vergangenen Tagen bereits erste Zweifel aufgekommen, was wohl Obama diesen Spontanbesuch planen ließ. Zu langsam habe die Regierung reagiert und zulange dem für die Ölkatastrophe verantwortlichen Konzern BP die Koordination der Rettungsmaßnahmen überlassen, meinen Kritiker.

Das will Obama nicht auf sich sitzen lassen. Klitschnass gibt er in Venice den Krisenmanager. "Wir haben vom ersten Tag an alles getan, was in unserer Macht steht und wir tun weiter alles, was nötig ist, um diese Krise zu beenden", versichert er. Der Ölteppich sei möglicherweise eine Katastrophe bisher ungekannten Ausmaßes und seine Regierung reagiere entsprechend.

Gute Nachrichten brachte Obama von seinem Treffen mit den Chef-Krisenmanagern aber nicht mit. Weiterhin laufen täglich etwa 800.000 Liter Öl aus dem Bohrloch und den Trümmern der gesunkenen Plattform ins Meer. In den kommenden zwei Tagen dürfte der Film auf dem Meer die zu Louisiana gehörenden Chandeleur Inseln erreichen, prognostiziert die Umweltbehörde NOAA. Dort nisten seltene Vogelarten. Auch wenn es vom Festland aus noch nicht zu sehen ist – das Öl kommt. Die Frage ist nur noch, wann und wo zuerst.

Der Ölteppich erstreckt sich mittlerweile über 10.000 Quadratkilometer – eine Fläche etwa halb so groß wie Hessen. Er wird an Tier- und Pflanzenwelt, der Küste und für die Fischer der Region vorausichtlich Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursachen.

Bereits jetzt gilt für weite Teile des Golfs von Mexiko ein Fischfangverbot. Die Zone reicht vom Mississippi-Delta in Louisiana bis zur Bucht von Pensacola in Florida. Um die verschmutzten Küsten zu reinigen, seien allein sieben Milliarden Dollar nötig, sagen Umweltfachleute in Venice.

Für das alles soll BP als Betreiber der Plattform zahlen. "Der amerikanische Steuerzahler wird nicht zur Kasse gebeten", versprach Obama, bevor er sich mit Fischern aus der Region traf. "BP ist verantwortlich, BP zahlt die Rechnung."

Der Ölkonzern will am Montag versuchen, eines der drei Lecks mit einem speziellen Ventil zu schließen und so die Ölmenge, die ins Meer strömt, verringern. Das Problem: Das größte der drei Lecks lässt sich auf diese Weise nicht stopfen.

Eigentlich sollen Kuppel-Konstruktionen das Abfließen des Öls ins Meer verhindern. Doch die dafür eingesetzten Spezialroboter haben nach BP-Angaben noch mindestens eine weitere Woche zu tun.

Der am Meeresgrund geplante Einsatz ist hochriskant und ein Erfolg keineswegs sicher.