Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko kann ohne den Ölkonzern BP kaum gewonnen werden. Zu dieser Einschätzung kommt die Küstenwache. Die US-Regierung verfüge weder über das notwendige Fachwissen noch über die erforderliche technische Ausrüstung, um das lecke Bohrloch in 1500 Metern Tiefe zu schließen, sagte der Chef der Küstenwache, Thad Allen. Drohungen von Innenminister Ken Salazar, BP notfalls die Federführung in der Bekämpfung des Unglücks zu nehmen, bezeichnete Allen als "metaphorisch". "Durch wen sollte BP ersetzt werden?", fragte der Behördenchef. Er sei regelmäßig in Kontakt mit BP-Chef Tony Hayward und dieser verstehe sehr wohl was von ihm verlangt werde und handle auch entsprechend.

Ungeachtet dessen erhöht die Regierung weiter den Druck auf die Konzernführung. "Wir werden ihnen im Nacken sitzen, bis der Job erledigt ist", sagte Salazar bei seinem jüngsten Besuch in Louisiana. Heimatschutzministerin Janet Napolitano stieß ins gleiche Horn: "Erst wenn das Loch gestopft ist, der Ozean in dem Gebiet gesäubert ist und die Schäden repariert sind, ist der Vorfall beendet." Man werde den Konzern "zivilrechtlich und in jeder anderen notwendigen Weise" zur Verantwortung ziehen. "Das ist ein BP-Schlamassel, es ist ein schreckliches Schlamassel. Es ist ein massives Umweltschlamassel." BP müsse "ohne Begrenzung" für die Kosten infolge des Unglücks aufkommen, sagte Salazar.

Die Wut in den USA ist gedämpft, auch Obama schlägt aus dem BP-Desaster kein Kapital. Christoph von Marschall kommentiert © John Moore/Getty Images News

Der britische Ölmulti bezifferte die Kosten des Umweltdesasters auf bislang 760 Millionen Dollar – und verspricht nun weitere 500 Millionen Dollar, um die Folgen der Ölpest zu untersuchen. In einem zehnjährigen Forschungsprogramm solle unter anderem untersucht werden, wie das Öl und die zur Zersetzung des Ölteppichs eingesetzten Chemikalien von Meeresströmungen beeinflusst worden seien, teilte BP-Chef Tony Hayward mit. Es sei "dringend erforderlich", dass die Wissenschaft Zugang zu allen Daten erhalte. BP verpflichte sich, "alles zu unternehmen, was wir können, um die Auswirkungen dieses tragischen Ereignisses auf die Menschen und die Umwelt der Golfküste zu mindern".

Auch für das Image des Energiekonzerns ist die Ölpest verheerend. In der Öffentlichkeit wachsen die Zweifel an der Fähigkeit von BP, die Umweltkatastrophe zu bewältigen. Um den entgegenzutreten, startete das Unternehmen in den USA eine neue Anzeigenkampagne. In den Zeitungen New York Times und Wall Street Journal schaltete der Ölriese ganzseitige Inserate. Seit dem "tragischen Unfall" habe BP alles ihm Mögliche unternommen, um das Ausströmen des Öls am Meeresboden zu stoppen und es von den Küsten fernzuhalten, heißt es darin. BP habe die "volle Verantwortung" übernommen und werde allen rechtmäßigen Schadenersatzansprüchen nachkommen.

Ungemach droht dem Konzern nun auch von Seiten der eigenen Aktionäre: Einige von ihnen haben BP verklagt. "Das Deepwater -Desaster hat für BP und seine Tochtergesellschaften finanzielle Konsequenzen, die sich auf Milliarden Dollar belaufen. Diese beinhalten die Haftung für den Schaden an Eigentum, kommerziellen Interessen und an der Tierwelt", heißt es in der Klageschrift. Die Katastrophe habe den Marktwert von BP um 40 Milliarden Dollar geschmälert. Das Gerichtsverfahren im US-Bundesstaat Delaware wurde von dem Privatinvestor Robert Freedman und der Verkehrsbetriebsgesellschaft Southeastern Pennsylvania Transportation Authority (SEPTA) angestrengt.

Vor mehr als einem Monat war die von BP betriebene Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodiert und wenig später gesunken. Seitdem strömt kontinuierlich Öl ins Meer und verseucht die Küstengebiete mehrerer US-Bundesstaaten. Experten befürchten durch die Umweltkatastrophe langfristige Folgen für die hochsensiblen Ökosysteme an den Küsten mehrerer Bundesstaaten im Süden der USA.

Am Mittwoch nun will BP einen neuen Versuch unternehmen, das Bohrloch zu schließen. Dabei werden schwere Schlammmassen mit hohem Druck dem ausströmenden Öl entgegengepumpt. Ist die Aktion erfolgreich, soll die Quelle anschließend mit Zement versiegelt werden. Das Verfahren – von Experten "Top-Kill" genannt – gilt als bislang beispiellos, dementsprechend skeptisch ist selbst der Konzern, dass der Versuch klappt. BP-Chef Hayward räumte der Aktion eine "60- bis 70-prozentige" Erfolgschance ein. Man müsse jedoch "realistisch" in Betracht ziehen, dass die Aktion in 1500 Meter Tiefe noch nie versucht worden sei. Schlage sie fehl, gebe es aber noch weitere Optionen, das Bohrloch zu schließen.

Das US-Innenministerium will Strafen für Ölkatastrophen erhöhen. Sowohl Geldbußen als auch Haftstrafen für die Verantwortlichen in den Energiekonzernen müssten überlegt angepasst werden, sagte der stellvertretende Innenminister David Hayes in einer Senatsanhörung. Seit das Bundesgesetz zur Ölförderung in Küstengewässern 1978 erlassen wurde, sei das Höchstmaß bei einer strafrechtlichen Verfolgung nicht mehr erhöht worden: Die Geldstrafe belaufe sich auf maximal 100.000 Dollar pro Tag, die Haftstrafe auf bis zu zehn Jahren.