Dazu trägt neben den ungelösten politischen Konflikten auch die desolate wirtschaftliche Situation bei. So wurde kürzlich ein Auftritt Ahmadineschads in der Öl-Hafenstadt Khorramshahr von Protestrufen gestört, als die Menge "Wir sind arbeitslos" skandierte. Normalerweise sind die Veranstaltungen des Präsidenten straff inszeniert. Wenn es Sprechchöre gibt, dann nur "Allah ist groß" oder "Nieder mit USA und Israel". Aber die Inflation ist zweistellig, die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei elf Prozent, in Wirklichkeit ist sie mehr als doppelt so hoch. Die drohenden Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrates könnten die Lage weiter verschärfen.

Der Iran erlebe "zurückgehende Investitionen und zunehmende Korruption sowie die Ausbreitung von Lügen und Inkompetenz", geißelte Oppositionsführer Mussawi die sozialen Zustände. Arbeiter bekämen ihre Gehälter nicht gezahlt, Fabriken müssten kurzarbeiten oder würden ganz geschlossen. Ahmadineschad sei "keine Wahl, sondern eine Ernennung – ihm fehlt jegliche Legitimität", sekundierte ihm Mehdi Karroubi auf seiner Website.

Stattdessen habe der Präsident das merkwürdige Bedürfnis, Briefe an andere Staatschefs zu schreiben, die niemals beantwortet würden. Und sein undiplomatisches Gehabe auf Auslandsreisen sei "eine Peinlichkeit und Demütigung für die ganze Nation".

Ein Beitrag aus dem Tagesspiegel