Die CIA warnt vor Iran und seinen Atomaktivitäten: Bereits derzeit sei niedrig angereichertes Spaltmaterial für zwei Sprengsätze vorhanden, sagte CIA-Chef Leon Panetta. Sollte es das Regime von Präsident Mahmud Ahmadineschad darauf anlegen, könnten diese Nuklearwaffen 2012 einsatzbereit sein, prognostizierte er in einem Interview mit dem Sender ABC.

Um Atombomben zu bauen, müsse Iran das Uran zunächst hoch anreichern. "Und wir würden schätzen, dass es, wenn sie sich dafür entscheiden, wahrscheinlich ein Jahr dauern würde, diesen Punkt zu erreichen", sagte Panetta. Ein weiteres Jahr brauche das Land, die geeignete Art von Trägersystem zu entwickeln, um die Waffen einsatzbereit zu machen.

Der Geheimdienstler ist davon überzeugt, dass Irans Atomforscher trotz der jüngst verhängten UN-Sanktionen gegen das Land weiterhin an Nuklearkapazitäten arbeite. Es gebe in Teheran "eine anhaltende Diskussion darüber, ob sie mit der Bombe weitermachen sollten oder nicht".

Aber Iran entwickle seine Fähigkeiten in der Kernforschung unzweifelhaft weiter. Die Unklarheit bei der damit verbundenen Absicht sei Anlass zu Besorgnis.

Iran steht seit Jahren im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Atomwaffen zu bauen. Der UN-Sicherheitsrat hatte deshalb Anfang Juni zum vierten Mal Sanktionen verhängt.

Doch nicht nur aus Iran wittert die Weltgemeinschaft Gefahr: Nordkorea kündigte eine Verstärkung seines Atomwaffenarsenals an. Die jüngste Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel unterstreicht die Notwendigkeit, Nordkoreas "atomare Abschreckung in einer neu entwickelten Weise zu verstärken", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA einen Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums.

Damit reagiere die Regierung in Pjöngjang auf die "fortgesetzt feindliche Politik der USA" und die militärischen Drohungen der US-Regierung gegenüber Nordkorea, sagte der Sprecher. Die Spannungen zwischen dem kommunistischen Norden und Südkorea hatten sich mit dem Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan am 26. März deutlich verschärft.  Wie das Gutachten einer internationalen Expertenkommission ergab, hatte ein nordkoreanisches Torpedo das Schiff versenkt. Dabei starben 46 Matrosen.

Im September hatte Nordkorea verkündet, die Endphase der Urananreicherung erreicht zu haben. Zuvor hatte das Land jahrelang bestritten, neben Plutonium auch Uran zur Herstellung von Atomwaffen anzureichern.

Neben Irans Atomprogramm war in dem Interview des US-Geheimdienstchefs auch der Kampf gegen Terroristen in Afghanistan Thema. Panetta gab hierzu einen ernüchternden Statusbericht. Die radikal-islamischen Taliban gewännen offenbar an Stärke, sagte er. Über den Aufenthaltsort von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden gebe es schon lange keine genauen Informationen mehr. Panetta geht davon aus, dass sich Bin Laden in Pakistan versteckt.

Die Taliban seien derzeit besonders gewalttätig und zündeten mehr Bomben, die sich insbesondere gegen die internationalen Truppen in Afghanistan richteten, sagte Panetta in dem Interview.

Der diesjährige Juni war mit fast hundert getöteten Soldaten der tödlichste Monat für die internationalen Truppen in Afghanistan seit dem US-geführten Einmarsch Ende 2001.