Seit der Machtübernahme durch die islamistische Hamas im Sommer 2007 hält Israel seine Grenzen zum Gaza-Streifen fest verschlossen. Damit war auch die Lieferung kommerzieller Güter in das Palästinensergebiet weitgehend unterbunden. Lediglich Hilfstransporte konnten die Grenzübergänge passieren. Dieses strikte Verbot hat die Regierung in Jerusalem nun gelockert.

Wie der palästinensische Verbindungsoffizier Raed Fattuh mitteilte, habe Israel das Waren-Embargo gelockert. So dürften Limonade, Saft, Gewürze, Rasierschaum, Chips, Kekse und andere Süßigkeiten sowie verschiedene Arten von Lebensmitteln wie Dosenfrüchte und Humus künftig wieder in den Gaza-Streifen gebracht werden. Die ersten Lieferungen seien bereits eingetroffen.

Israel begründet die weitestgehende Abriegelung des von der Extremistengruppe Hamas kontrollierten Gebietes mit der Gefahr des Waffenschmuggels. Kritiker werfen der Regierung allerdings vor, damit eine humanitäre Katastrophe verursacht zu haben. Dies weist Jerusalem zurück und verweist stattdessen darauf, dass bereits mit Hilfstransporten der Vereinten Nationen auch kleinere Mengen an Handelsgütern über die Grenze gelassen wurden. Tatsächlich genehmigte Israel Anfang Mai erstmals eine rein kommerzielle Lieferung von Schuhen und Kleidungsstücken.

Auch als eine reine PR-Maßnahme will Israel die Handelserleichterungen nicht verstanden wissen. Die Entscheidung habe nichts mit der international heftig kritisierten Erstürmung der Gaza-Schiffsflotte zu tun, hieß es aus Jerusalem.

Gänzlich losgelöst von der internationalen Diplomatie ist die Lockerung allerdings auch nicht: Wenige Stunden nach der Ankündigung empfängt US-Präsident Barack Obama seinen palästinensischen Amtskollegen Mahmud Abbas in Washington. Bei dem Gespräch soll es auch um Möglichkeiten gehen, Lieferungen in den Gaza-Streifen zu erleichtern.