Eigentlich sollte Guantánamo längst geschlossen sein. Noch im Wahlkampf versprach US-Präsident Barack Obama, er wolle das umstrittene Gefangenenlager auf Kuba nach Amtsantritt innerhalb eines Jahres auflösen. Daraus ist bekanntlich nichts geworden , und es deutet wenig darauf hin, dass sich daran in den nächsten Jahren etwas ändert. Angesichts starker Opposition in den USA gegen das Vorhaben sowie veränderter politischer Prioritäten sei es unwahrscheinlich, dass das Lager auf Kuba noch vor Ende von Obamas Amtszeit 2013 geschlossen werde, berichtet die New York Times(NYT) .

Die Zeitung beruft sich auf Aussagen mehrerer Senatoren, denen zufolge die Regierung wenig dafür tue, die Widerstände gegen eine Schließung zu überwinden. "Es herrscht da eine große Trägheit", zitiert das Blatt den Demokraten Carl Levin, Vorsitzender im Verteidigungsausschuss des Senats.

Das Weiße Haus dementierte diese Darstellung und beteuerte, das Ende von Guantánamo stehe weiterhin auf der Agenda dieser Amtszeit. Die Schließung sei für die Sicherheitsstrategie der USA unumgänglich, sagte Sprecher Ben LaBolt der NYT . Noch Ende Mai habe der Nationale Sicherheitsberater James Jones das Repräsentantenhaus in einem Brief aufgefordert, sich der Sache wieder verstärkt zu widmen. "Der Präsident kann nicht einfach mit einem Zauberstab wedeln, um das Lager zu schließen", zitiert die Zeitung einen hohen Regierungsbeamten.

Das Gefängnis auf Kuba gilt vor allem in der muslimischen Welt als Symbol für eine fehlgeleitete Politik der Regierung von Obamas Vorgänger George W. Bush. In dem Lager inhaftierten die USA Terrorverdächtige vor allem aus Afghanistan und Pakistan jahrelang ohne Gerichtsverfahren. Gegenwärtig sitzen noch knapp 200 Menschen in Guantánamo.

Für die Auflösung des Lagers plant die Regierung den Kauf eines Hochsicherheitsgefängnisses im Staat Illinois , wo die Insassen zunächst untergebracht werden sollen. Medienberichten zufolge fehlt aber das Geld für den Erwerb der Haftanstalt. Zudem wirbt die Führung in Washington im Ausland darum, die Häftlinge aufzunehmen. Bislang sind jedoch nur wenige Staaten bereit , dieser Bitte nachzukommen. Auch Deutschland hält sich in dieser Frage noch bedeckt.