Dröhnend fliegt ein Seefernaufklärer der Marine über die Fregatte Schleswig-Holstein im Hafen von Djibouti. Karl-Theodor zu Guttenberg steht auf dem Hubschrauberdeck des Kriegsschiffs. Der Verteidigungsminister winkt kurz, dann schaut er dem Flugzeug hinterher. Guttenberg steht in der Mitte von Soldaten, Diplomaten und Journalisten. Ihm werden viele Fragen zur Zukunft der Marine – und der Bundeswehr gestellt.

Es sind unruhige Tage, in denen der Verteidigungsminister nach Ostafrika fliegt. Die Truppe ist verunsichert, täglich ist von neuen Spar- und Umstrukturierungsplänen für die Bundeswehr zu lesen. Am Dienstag verkündete Guttenberg bei einem Besuch des Einsatzführungskommandos in Geltow bei Potsdam, dass in seinem Haus auch radikale Einschnitte geprüft werden, nämlich die Reduzierung der Bundeswehr um 100.000 auf 150.000 Soldaten.

Bundeswehr - Guttenberg auf See Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg besucht die Bundeswehr-Schiffe Kulmbach und Main im Hafen von Limassol

Einen Tag später erreicht er an Bord der Schleswig-Holstein Djibouti. Den Marinestützpunkt am Horn von Afrika nutzen Amerikaner, Franzosen und die Bundesmarine als Basis für den Kampf gegen somalische Piraten und für die Eskortierung von Handelsschiffen. Djibouti wird aber auch als Basis für die Operation Enduring Freedom (OEF) genutzt.

Nach dem 11. September 2001 begannen die USA und ihre Verbündeten im Rahmen der OEF in Afghanistan und im Roten Meer gegen den internationalen Terrorismus zu kämpfen. Die OEF-Kräfte vor Ostafrika sollten vor allem den Waffenschmuggel und heimliche Reisen von Kämpfern zwischen dem Jemen, Somalia und anderen Rückzugsgebieten der islamistischen Terroristen unterbinden. Deutschland beteiligte sich mit Kriegsschiffen und Flugzeugen zur Seeaufklärung. Die Amerikaner starten von dort auch Drohnen, die in Ostafrika und im Jemen angebliche Terroristen liquidieren.

Doch damit soll es nun bald vorbei sein. Die Begrüßung des Ministers durch den Seefernaufklärer ist eine der letzten Missionen der Maschine in Afrika. In wenigen Tagen wird sie nach Deutschland zurückkehren. Damit endet Deutschlands Beteiligung an der OEF in Afrika. Ab Juli werden hier keine Bundeswehrsoldaten mehr auf Terroristenjagd gehen.

Im Dezember soll das Mandat nicht mehr verlängert werden. Im kleinsten Land Afrikas bleiben dennoch weiterhin deutsche Soldaten stationiert, weil die Anti-Piraten-Mission Atalanta der EU weiterläuft. Das Ende der OEF hat nichts mit dem Spardiktat zu tun, dass der Finanzminister seinem Kollegen des Verteidigungsressorts vorgegeben hat. Aber was die Milliardeneinsparungen in den kommenden Jahren für die Auslandseinsätze zu bedeuten hat, ist noch nicht geklärt. Griechenland hat sich aus Kostengründen bereits von internationalen Missionen verabschiedet.

Deutschland hat das noch nicht vor. In Djibouti trifft zu Guttenberg nicht nur deutsche Soldaten, sondern auch die lokalen Würdenträger. Ihnen versichert er eine weitere Zusammenarbeit. Djibouti ist für die deutschen und europäischen Sicherheitsinteressen in der Region bedeutend. Solange sich in Somalia die Shabab-Milizen einen blutigen Bürgerkrieg gegen die Truppen der Übergangsregierung liefern, wird der Zwergstaat für Militäreinsätze benötigt.