Nach der Erstürmung der internationalen Hilfsflotte für den Gazastreifen hat Israel eigenen Angaben zufolge alle festgenommenen Aktivisten aus dem Gefängnis entlassen – unter ihnen auch die verbliebenen fünf inhaftierten Deutschen. Die Ausländer würden in ihre Heimatländer zurückgeschickt, kündigte ein Sprecher der Justizvollzugsbehörden in Jerusalem an. "Nicht ein einziger der Festgesetzten ist mehr im Gefängnis."

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, drei der deutschen Staatsbürger seien bereits am Flughafen von Tel Aviv. Die anderen beiden seien auf dem Weg dorthin.

Im Fall des verletzten deutschen Staatsbürgers sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, die deutsche Botschaft in Tel Aviv habe die Zusicherung der israelischen Behörden, dass auch dieser zum Flughafen Tel Aviv gebracht und außer Landes geflogen werden könne. Er war wegen seiner Verletzungen in ein Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv eingeliefert worden.

Am Morgen wurde eine erste Gruppe in Bussen zum internationalen Flughafen Ben Gurion gebracht. Weitere 124 Aktivisten wurden zur Allenby-Brücke, dem Grenzübergang zu Jordanien begleitet. Bei diesen Abgeschobenen handelt es sich um Muslime aus Ländern, mit denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Rund 50 Aktivisten hatten bereits am Montag freiwillig Israel verlassen.

Die Inhaftierten – Medienberichten zufolge stammen sie unter anderem aus der Türkei , den USA, Irland, Schweden und Deutschland – saßen seit ihrer Festsetzung im Ela-Gefängnis in Beerscheva in der Negev-Wüste. Ursprünglich sollten alle, die sich nicht identifizieren und nicht einer Ausweisung zustimmen, vor Gericht gestellt werden. Dies ist jetzt Makulatur, keiner der noch 682 Inhaftierten wird angeklagt.

Zuvor hatte die israelische Armee mitgeteilt , dass die von den Schiffen geladenen Hilfsgüter nach einer Sicherheitskontrolle in den Gaza-Streifen transportiert werden. Insgesamt 25 Lastwagen hätten die Fracht durch den Warenübergang Kerem Schalom in das blockierte Gebiet gebracht.

Sie hätten vor allem Medikamente, Rollstühle und Lebensmittel geladen. "Israel wird auch weiterhin den Transport humanitärer Hilfsgüter in den Gaza-Streifen erlauben, jedoch nur über die offiziellen Landwege", hieß es in der Erklärung der Armee.

Israel hatte mit der gewaltsamen Erstürmung der internationalen Gaza-"Solidaritärsflotte" am frühen Montagmorgen weltweit Empörung ausgelöst. Bei dem Einsatz waren mindestens neun Aktivisten gestorben. Dutzende weitere wurden verletzt. Selbst enge Verbündete Israels äußerten Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes .

Mit den insgesamt sechs Schiffen der Flottille wollten pro-palästinensische Aktivisten Hilfsgüter in den Gaza-Streifen bringen, der von Israel seit der Machtübernahme der radikalislamischen Hamas im Sommer 2007 blockiert wird. Diese Seeblockade will Israel auch künftig militärisch durchsetzen.

Der israelische Vizeverteidigungsminister Matan Vilnai sagte, sein Land werde es keinem Schiff erlauben, Gaza anzusteuern und "eine Terroristenbasis" zu versorgen, die das "Herz Israels bedroht".

Die Organisatoren der Free Gaza-Aktion kündigten inzwischen weitere Versuche an, den Gaza-Streifen auf dem Seeweg zu erreichen. Zwei weitere Schiffe seien auf dem Weg. Allerdings werde es noch mehrere Tage dauern, bis sie an der Sperrzone ankommen.