Nach dem Willen der Vereinten Nationen soll eine internationale Kommission Israels Militäraktion gegen Gaza-Hilfsschiffe untersuchen. Nach Angaben eines israelischen Regierungsvertreters unterbreitete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon diesen Vorschlag Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Das Land steht einer solchen Überprüfung des weltweit scharf kritisierten Militäreinsatzes, bei dem vor einer Woche neun Gaza-Aktivisten getötet wurden, allerdings skeptisch gegenüber.

Ban habe angeregt, das Gremium unter anderem mit Vertretern der USA, der Türkei und Israels zu besetzen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter. Den Vorsitz der Kommission solle der frühere neuseeländische Ministerpräsident Geoffrey Palmer übernehmen. Netanjahu habe den Vorschlag am Samstag mit Ban besprochen und wolle nun im engsten Kabinettskreis über eine Beteiligung Israels beraten, sagte der Vertreter weiter. Das Land erwägt bislang, eine eigene Kommission aufzustellen , die von ausländischen Beobachtern unterstützt werden könnte.

Der Regierungsvertreter sagte weiter, Israel wolle herausfinden, welche Rolle die Türkei bei der Fahrt der Mavi Marmara gespielt habe. An Bord der unter der türkischen Flagge fahrenden Fähre kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Soldaten. Netanjahu sagte zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung, es gebe Anzeichen dafür, dass eine kleine Gruppe gewaltbereiter Extremisten an Bord der Mavi Marmara gewesen sei. Sie hätten das Schiff in einem anderen Hafen als die Aktivisten betreten und seien unabhängig von diesen organisiert, sagte der Regierungschef.

Derweil hat Israel mit der Abschiebung von 19 internationalen Friedensaktivisten begonnen. Sieben Passagiere reisten über die Allenby-Brücke nach Jordanien aus, wie der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor bestätigte. Die restlichen pro-palästinensischen Aktivisten sollten im Verlauf des Tages vom internationalen Ben-Gurion-Flughafen aus zurück in ihre Heimatländer fliegen.

Die israelische Marine hatte den unter irischer Flagge fahrenden Frachter Rachel Corrie mit Hilfsgütern am Samstagmittag nach mehreren Warnungen vor der Küste des Gaza-Streifens im Mittelmeer aufgebracht. Die Aktivisten, darunter auch die nordirische Nobelpreisträgerin Mairead Maguire, ließen die Soldaten widerstandslos an Bord.

Israels Blockade-Politik löste weltweit Entrüstung und scharfe Kritik aus. Die USA bezeichneten Israels Vorgehen als nicht länger tragbar und forderten Änderungen. In ganz Europa zogen Zehntausende Menschen aus Protest auf die Straße. In der türkischen Metropole Istanbul demonstrierten am Wochenende – wie etwa in Paris und London auch – tausende Menschen. Auch in deutschen Städten wie Duisburg und Nürnberg gab es Kundgebungen. Papst Benedikt XVI. rief bei seinem Besuch in Zypern zu Besonnenheit und international abgestimmten Bemühungen auf, um die Spannungen im Nahen Osten beizulegen.

Mit der Abriegelung des Küstengebiets will Israel das Einschmuggeln von Waffen unterbinden. Unter die Blockade fallen auch Güter wie Zement und Stahl, die aus Israels Sicht zum Bau von Waffen dienen könnten. Radikale Palästinenser feuern aus dem Gaza-Streifen immer wieder Raketen auf Israel ab.