Unter dem Druck der maoistischen Opposition in Nepal ist Regierungschef Madhav Kumar Nepal zurückgetreten. Er habe seinen Rücktritt beschlossen, damit der Friedensprozess vollendet und eine neue Verfassung auf den Weg gebracht werden könne, sagte Nepal in einer live ausgestrahlten Fernsehansprache. Der 57-Jährige war erst seit Mai vergangenen Jahres im Amt, seine Regierung galt von Anfang an als schwach. Weiter beschädigt wurde sie durch ständige Machtproben mit den Maoisten, die die stärkste Kraft im Parlament sind.

Erst vor einem Monat hatten sich die drei wichtigsten Parteien des Landes auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit verständigt. Dabei wurde eine Verlängerung des eigentlich zeitgleich auslaufenden Mandats des Parlaments um ein Jahr beschlossen, um die Vollendung einer neuen Verfassung zu ermöglichen. Es kam aber zu heftigen Auseinandersetzungen über die genaue Ausgestaltung der Regierung und zu zahlreichen Machtkämpfen zwischen den Spitzen der Parteien. Die Maoisten drängten Nepal, sein Amt aufzugeben. Unklar ist jetzt, wer das Amt des Regierungschefs übernehmen könnte.

Die Maoisten hatten die Parlamentswahlen 2008 gewonnen, nachdem sie zuvor zehn Jahre lang in einem blutigen Bürgerkrieg für die Überwindung der Monarchie in Nepal gekämpft hatten. Ihr Anführer, Pushpa Kamal Dahal, genannt Prachanda, wurde Regierungschef, trat aber nach nur acht Monaten im Streit um die Entlassung des Armeechefs zurück. Daraufhin wurde Madhav Kumar Nepal Ministerpräsident .