Rund zwölf Millionen Wähler sind aufgerufen, heute über die Zusammensetzung der 150 Sitze zählenden Volksvertretung zu entscheiden. Die Parlamentswahl musste vorgezogen werden, nachdem die Regierungskoalition Mitte Februar zerbrochen war.

Als Favoriten gehen die Liberalen (VDD) mit ihrem Spitzenkandidaten Mark Rutte ins Rennen. Umfragen zufolge könnten sie 34 Parlamentssitze erringen. Die Liberalen traten mit einem radikalen Sparprogramm an, das auch erhebliche Kürzungen im sozialen Bereich vorsieht. Mit Rutte könnte erstmals seit 1913 ein liberaler Politiker Regierungschef werden.

Allerdings schrumpfte der Vorsprung der VVD vor der Partei der Arbeit (PvdA) bei letzten Umfragen teils auf drei Mandate zusammen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Liberalen und Sozialdemokraten wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

In allen Umfragen wird dem regierenden Christdemokratischen Appell (CDA) von Ministerpräsident Jan Peter Balkenende eine empfindliche Niederlage vorhergesagt. Balkenendes Koalition war Mitte Februar am Streit über den niederländischen Afghanistan-Einsatz zerbrochen.

Die umstrittene Partei für Freiheit (PVV) des rechtspopulistischen Islamkritikers Geert Wilders könnte ihre Mandate verdoppeln und dadurch viertstärkste politische Kraft nach Rechtsliberalen, Sozial- und Christdemokraten werden. Dabei könnte eine Rechts-Koalition unter Beteiligung von Wilders möglich werden.

Nach einem sachlich geführten Wahlkampf kam es am Vorabend des Urnengangs zu einem Streit um ein Internet-Video. In dem Spot wird der alleinstehende VVD-Spitzenkandidat Rutte als homosexuelles Muttersöhnchen dargestellt. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Job Cohen wies Vorwürfe zurück, Wahlkämpfer seiner Partei würden hinter der Produktion des Videos durch eine populäre Satire-Website stecken.

Die Parlamentswahlen gelten auch als politischer Stimmungstest in Europa. Es sind die ersten Wahlen in einem wohlhabenden Land der Euro-Zone seit dem Ausbruch der Schuldenkrise.