Ein ehemaliger Luftwaffengeneral soll die US-Spionage auf Vordermann bringen: Nach dem Willen von Präsident Barack Obama soll James Clapper neuer Nationaler Geheimdienstdirektor werden. Der 69-Jährige soll somit Dennis Blair ersetzen, der vergangenen Monat nach Kritik an Pannen bei der Terrorabwehr zurückgetreten war.

Clapper verfügt über weitreichende Erfahrungen mit den Geheimdiensten des Landes. Er diente 32 Jahre in der Luftwaffe, 1995 ging er in den Ruhestand. 2007 wurde er vom damaligen Präsidenten George W. Bush zum Staatssekretär für Sicherheitsfragen ins Pentagon berufen, wo er auch unter dessen Nachfolger im Amt blieb.

Obama sagte, Clapper sei nach vier Jahrzehnten im Dienste der Vereinigten Staaten "einer der erfahrensten Geheimdienst-Spezialisten". Er habe unter anderem Geheimdienstaufgaben im Irak und in Afghanistan gemeistert. Er hoffe und erwarte, dass der Senat diese Personalie rasch bestätige, sagte der Präsident und verwies unmissverständlich auf Schwächen in der Koordination der einzelnen Dienste hin. So habe er nach dem vereitelten Flugzeugattentat im Dezember über Detroit "ernsthafte Reformen angeordnet". Die einzelnen Dienste müssten schnell Informationen sammeln und diese austauschen und analysieren. "Das ist eine harte Aufgabe."

Dennoch gibt es Kritik an Clappers Berufung. Einige Senatsabgeordnete wenden ein, der Job des "Topspions" solle nicht an einen Militär gehen. Außerdem habe Clapper in der Vergangenheit nicht gut mit dem Parlament zusammengearbeitet.

Wer auch immer den Job von Dennis Blair übernehmen wird, übernimmt eine schwere Aufgabe: Die 16 Geheimdienste der USA gelten als ebenso gigantischer wie schwerfälliger Apparat mit insgesamt 200.000 Mitarbeitern. Clapper – er wäre der vierte Mann in fünf Jahren an dieser Stelle – müsste in einer schwierigen Zeit alle 16 Geheimdienste koordinieren und die Pannenserie beenden. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Antiterrormaßnahmen der Bundespolizei FBI und des nach 2001 geschaffenen Heimatschutzministeriums.

Clappers Vorgänger Blair hatte keine Gründe für seinen Rücktritt nach nur 16 Monaten im Amt angegeben . Ihm wurde aber vorgehalten, dass es innerhalb von nur einem halben Jahr zwei Anschlagsversuche in den USA gab, ohne dass die Geheimdienste darauf vorbereitet waren. Sie seien vom vereitelten Bombenanschlag am New Yorker Times Square am 1. Mai völlig überrascht worden. Nach dem missglückten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über Detroit an Weihnachten wurden schwere Sicherheitslücken sichtbar.

Der Posten des Geheimdienstkoordinators war 2004 vom damaligen Präsidenten George W. Bush als Reaktion auf Mängel in der Zusammenarbeit der US-Geheimdienste vor den Anschlägen vom 11. September 2001 geschaffen worden. Doch auch Blair konnte diese Konflikte nicht lösen. Ständig lieferte er sich Grabenkämpfe und Kompetenzgerangel mit dem Auslandsgeheimdienst CIA.