Wer Frankreichs Präsidenten so richtig ärgern will, spricht ihn auf einer internationalen Pressekonferenz auf Gerüchte an, die sich um seine Person ranken. Das kommt gelegentlich vor und wird sich bald wiederholen, denn seit Jahren brodelt ein Topf, aus dem giftige Dämpfe steigen. Jetzt gerade wieder ist eine üble Blase aufgestiegen.

Die Affäre wird in Frankreich "Karachigate" genannt, und ihr Auslöser war ein Attentat in der pakistanischen Metropole, dem vor acht Jahren 14 Menschen zum Opfer fielen, darunter elf Franzosen. Das waren keine Touristen, sondern Ingenieure und Techniker. Sie hatten an U-Booten gearbeitet, die Frankreich an Pakistan verkauft hatte.

Erst hieß es, al-Qaida sei der Auftraggeber des Attentats gewesen. Es gab auch zwei pakistanische Todesurteile gegen mutmaßliche Agenten des Terrornetzwerks. Die Urteile wurden allerdings aufgehoben, und die Ermittlungen liefen langsamer, immer langsamer, noch langsamer ..., bis vor etwa einem Jahr in Paris zwei neue Ermittlungsrichter mit dem Fall betraut wurden.

Und die rückten bald mit einer neuen Theorie heraus: Nicht Islamisten, sondern pakistanische Militärs hätten die Morde befohlen, und zwar, um sich an Frankreichs Regierung zu rächen. Jacques Chirac, damals Präsident, hatte nämlich nach seiner Amtsübernahme 1995 angeordnet, Schmiergeldzahlungen ("Kommissionen") zu stoppen, die damals an Pakistanis flossen.

Was das alles mit Sarkozy zu tun haben soll? Das Gerücht will, dass bis 1995 der damalige Premierminister Edouard Balladur, der mit Chirac um die Präsidentschaft konkurrierte, Mittelsmänner in die Schmiergeldzahlungen eingeschleust habe. Ihre Aufgabe sei es gewesen, einen Geldfluss von Islamabad nach Paris zu organisieren, um Balladurs Wahlkampagne zu finanzieren. Und wer war damals Chef der Kampagne? Sarkozy. Mehr noch, wer hat die Geldflüsse nach Pakistan abgesegnet? Der damalige Finanzminister Sarkozy.

Das Gerücht läuft schon lange um. Belegt ist auch, dass in Balladurs Wahlkampfbüro kofferweise Geld angeschleppt wurde - nicht freilich, dass es sich um die sogenannten "Retrokommissionen" handelte.