Vier Tage nach der Parlamentswahl in Tschechien haben drei Mitte-Rechts-Parteien mit einem vorläufigen Abkommen den Weg für eine Koalition frei gemacht. Die Demokratische Bürgerpartei (ODS) von Petr Necas, der als Regierungschef im Gespräch ist, sowie die liberale Kraft TOP 09 und die Gruppierung Veci Verejne (VV, "Öffentliche Angelegenheiten") wollen nun über Details verhandeln. Das teilte Necas in Prag nach Angaben der Agentur CTK mit.

TOP 09-Chef Karel Schwarzenberg kehrt in der neuen Regierung vermutlich ins Außenministerium zurück. Das Bündnis verfügt im Parlament über eine Mehrheit von 118 der 200 Sitze. Präsident Václav Klaus kann Necas nun offiziell mit der Regierungsbildung beauftragen.

Die drei Parteien waren am Morgen erstmals nach der Wahl zu Gesprächen über eine künftige Regierung zusammengekommen. Erschwert wurden die Verhandlungen zunächst von einem überraschenden Rückzieher der Gruppierung VV.

Der Neuling im Parlament hatte noch am Vortag nur die Tolerierung einer Koalition aus ODS und TOP 09 in Aussicht gestellt. Später sagte der VV-Chef Radek John, seine Partei rechne mit einer Beteiligung an der Koalition.

Aus der Parlamentswahl waren die Sozialdemokraten (CSSD) mit 22,1 Prozent als stärkste Fraktion hervorgegangen. Das von der CSSD angestrebte Bündnis mit den Kommunisten (KSCM) verfügt aber über keine Mehrheit.

Die ODS hatte Verluste hinnehmen müssen, während die neu gegründeten Parteien TOP 09 und Öffentliche Angelegenheiten aus dem Stand 16,7 und 10,9 Prozent der Wählerstimmen erhielten. Tschechien war zuvor rund ein Jahr von einer Interimsregierung unter dem parteilosen Politiker Jan Fischer regiert worden.