Ein enger Freund und der langjährige Vermögensverwalter der L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt sind von der Finanzpolizei in Gewahrsam genommen worden. Sie wurden im Zusammenhang mit rechtswidrigen Spenden an die konservative Regierung von der Finanzpolizei befragt, wie aus Ermittlerkreisen in Paris bekannt wurde.

Bettencourts Vermögensverwalter, Patrice de Maistre, wird vorgeworfen, die Steuerhinterziehung der reichsten Frau Frankreichs organisiert zu haben. Zudem soll er rechtswidrige Spenden von Bettencourt an die konservative Regierungspartei UMP übergeben haben, darunter angeblich 150.000 Euro für den Wahlkampf von Präsident Nicolas Sarkozy im Jahr 2007.

Gegen den Fotografen François-Marie Banier Banier hatte die Tochter der Milliardärin Anzeige erstattet. Sie wirft ihm vor, ihrer 87-jährigen Mutter im Laufe der Jahre Bargeld, Gemälde und Lebensversicherungen im Wert von fast einer Milliarde Euro aus der Tasche gezogen haben.

Die Ermittler verhörten außerdem einen früheren Hausjuristen und den Verwalter einer Seychellen-Insel, deren Besitz Bettencourt dem Fiskus verschwiegen haben soll. Zunächst blieb unklar, in welcher von drei laufenden Ermittlungsverfahren die Personen verhört wurden. Im Polizeigewahrsam können die Betroffenen für Befragungen maximal 48 Stunden ohne richterlichen Beschluss festgehalten werden. Sie gelten dabei nicht als formell beschuldigt.

Der ursprüngliche Streit zwischen der reichsten Frau Frankreichs und ihrer Tochter hatte sich zu einer Staatsaffäre ausgeweitet, als durch heimliche Tonbandaufnahmen Hinweise auf Steuerbetrug und illegale Parteispenden bekannt wurden.

Dadurch war auch Präsident Sarkozy unter Druck geraten. Sein Arbeitsminister, der scheidende UMP-Schatzmeister Eric Woerth, soll unter anderem die illegale Wahlkampfspende in Höhe von 150.000 Euro von de Maistre angenommen haben. Er hatte in einem Fernsehinterview diese Woche alle Vorwürfe als "Verleumdung" und "Zeitverschwendung" bezeichnet.