In dem monatelangen Streit mit seinem Parteikollegen Gianfranco Fini hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Präsidenten des Abgeordnetenhauses aufgefordert, seinen Posten aufzugeben. "Zerstörerische Kritik" und "absolute Inkompatibilität mit den Prinzipien der Partei" warf der Regierungschef dem ehemaligen Postfaschisten vor. Seine Positionen seien "absolut unvereinbar" mit denen der Regierungspartei "Volk der Freiheit" (PdL).

Fini habe zudem dauernd und systematisch gegen Partei und Regierung opponiert. "Es bricht mir das Herz, aber ich glaube nicht, dass wir so weitermachen können", sagte Berlusconi.

Fini lehnte einen Rücktritt umgehend ab. "Ich bleibe, wo ich bin", sagte er. Sein Amt als Präsident des Abgeordnetenhauses werde nicht von Berlusconi entschieden. Dutzende Abgeordnete kündigten an, Fini zu unterstützen.

Zwischen den früher eng verbündeten Politikern war bereits vor mehreren Monaten ein offener Streit entbrannt, in dem es immer wieder auch um den angeblichen Plan Finis ging, innerhalb der PDL einen eigenen Flügel zu etablieren.

Fini und Berlusconi gerieten auch wiederholt wegen des autoritären Führungsstils des Regierungschefs aneinander. Fini zeigte sich zudem besorgt über den wachsenden Einfluss der mit Berlusconi verbündeten fremdenfeindlichen Lega Nord, die besonders gestärkt aus den Regionalwahlen Ende März hervorgegangen war.

Fini hatte vor rund anderthalb Jahren seine Partei, die postfaschistische Alleanza Nazionale in Berlusconis "Volk der Freiheit" integriert. Er und seine Vertrauten verloren damals jegliche Führungspositionen in der neuen Mitte-Rechts-Partei.