Bronislaw Komorowski wird neuer Präsident von Polen. Nach Auszählung von 95 Prozent der Wahlkreise erreichte der liberal-konservative Politiker bei der Stichwahl 52,63 Prozent der Stimmen, teilte die staatliche Wahlkommission (PKW) mit. Sein national-konservativer Herausforderer Jaroslaw Kaczynski kam demnach auf 47,37 Prozent und hat damit so gut wie keine Chance mehr, Komorowski noch einzuholen. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 55,3 Prozent. Ein amtliches Endergebnis ist für Montagnachmittag angekündigt.

"Gesiegt hat die Demokratie, unsere polnische Demokratie", sagte Komorowski in einer ersten Reaktion. Er wolle einen und nicht spalten, versicherte der bisherige Parlamentschef.

Drei Monate nach dem tragischen Unfalltod von Staatspräsident Lech Kaczynski waren rund 30 Millionen Polen aufgerufen, einen Nachfolger zu wählen. Kaczynski war am 10. April bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen. Jaroslaw Kaczynski ist der Zwillingsbruder des Verunglückten.

Den ersten Wahlgang hatte Komorowski mit 41,5 Prozent für sich entschieden, sein Herausforderer lag fünf Prozentpunkte hinter ihm. Da keiner der insgesamt zehn Kandidaten die von der Verfassung vorgegebene 50-Prozent-Marke erreicht hatte, war die Stichwahl nötig geworden. Auch in diesem Wahlgang galt der 58-jährige Komorowski als Favorit. 

Während des Wahlkampfs hatte sich Kaczynski für einen starken Nationalstaat ausgesprochen, der die Ärmeren sowie die benachteiligten Teile des Landes unterstützt. Für Polen forderte er einen Platz unter den G-20-Staaten.

Komorowski wurde von der liberal-konservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk aufgestellt. Seit dem Tod von Lech Kaczynski führte er bereits kommissarisch die Geschäfte des Staatsoberhauptes. Komorowski gilt als Wunschkandidat der Unternehmen und Finanzmärkte. Von dem fünffachen Familienvater wird erwartet, dass er eng mit dem reformorientierten Premier Tusk zusammenarbeitet, der umgehend einen härteren Sparkurs ankündigte. "Ab Montag müssen wir damit beginnen, noch härter zu arbeiten", sagte Tusk. "Wir wollen vernünftig Geld ausgeben und das erfordert die Unterstützung von Politikern wie Bürgern. Ich werde meine politischen Partner und das Parlament bitten, mir dabei zu helfen, etwas mehr Disziplin in unseren Haushalt zu bekommen."

Jaroslaw Kaczynski hatte im Wahlkampf Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben abgelehnt. Sein Bruder Lech hatte als Präsident das Vetorecht des polnischen Staatsoberhaupts genutzt, um unter anderem eine Renten-, Gesundheits- und Medienreform zu blockieren.

Auch in der Außenpolitik dürfte die Wahl Komorowski einen Wandel bedeuten: Knirschte es zwischen der EU und den Kaczyński-Brüdern in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal, so setzt Komorowski offen auf eine Zusammenarbeit mit dem Bündnis. Zudem gilt Komorowski als deutschfreundlich.