Zwischen Russland und den USA könnte sich ein neuer diplomatischer Streit anbahnen. Das Außenministerium in Moskau warf der US-amerikanischen Drogenpolizei vor, einen russischen Staatsbürger entgegen internationalem Recht im westafrikanischen Liberia festgenommen und dessen Auslieferung in die USA erwirkt zu haben. "Gewissermaßen sprechen wir von der Entführung eines russischen Staatsbürgers in einem Drittland", erklärte das Ministerium. Die russischen Behörden seien über das Vorgehen gegen den Piloten Konstantin Jaroschenko nicht informiert worden. Das Ministerium bezeichnete die Festnahme als "mutwilligen Akt der Willkür".

Jaroschenko war nach liberianischen Angaben Ende Mai gemeinsam mit sechs weiteren Ausländern auf dem Flughafen von Monrovia festgenommen worden, nachdem US-Beamte bei ihnen 4000 Kilogramm Kokain gefunden hatten. Den Verdächtigen aus Russland, Sierra Leone, Nigeria und Ghana wird demnach vorgeworfen, Drogen im Wert von umgerechnet 80 Millionen Euro aus Kolumbien über Liberia in die USA zu schmuggeln. Nach US-amerikanischen Angaben versuchten sie, neue Schmuggelrouten zwischen Südamerika und den USA zu erschließen.

Der russische Fernsehsender NTW sendete am Mittwoch ein Telefoninterview mit Jaroschenko, in dem dieser sich über Folter und Schläge in einem Gefängnis in New York beschwerte. Ihm würden wichtige Medikamente und Schlaf vorenthalten, sagte der Pilot. Dem Bericht zufolge drohen ihm 40 Jahre Haft. Das Außenministerium in Moskau legte bei den US-Behörden Protest gegen seine Inhaftierung ein. Im Juni hatte die russische Botschaft in den USA bereits eine "detaillierte Erklärung" des Vorgangs verlangt. Mitte Juli bestellte Moskau den US-Botschafter ins Außenministerium.