Die gegenseitigen Vorwürfe mündeten in einer diplomatische Krise: Kolumbien hatte Venezuela offiziell bei einer Sitzung der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) in Washington vorgeworfen, kolumbianische Farc-Rebellen zu beherbergen. Chávez hielt dagegen Kolumbien vor, gemeinsam mit den USA einen Krieg gegen Venezuela anzetteln zu wollen.

"Die (kolumbianische) Regierung (des Präsidenten Álvaro) Uribe war kriegerisch, lügnerisch und aggressiv", sagte Chávez vor Kameras. Alle Beziehungen würden deshalb abgebrochen. Gleichzeitig kündigte er an, er werde die Botschaft in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá schließen. An der Grenze zu Kolumbien rief der Staatschef höchste Alarmbereitschaft aus.

Auf der Sondersitzung der OAS in Washington hatten sich die Botschafter beider Länder Wortgefechte geliefert. Der Kolumbianer Luis Alonso Hoyos forderte die Regierung in Caracas auf, sofort gegen die linken Farc-Rebellen vorzugehen, die seit mehreren Jahrzehnten Kolumbien terrorisierten. Angeblich sind 1500 Rebellen in Venezuela. Hoyos verlangte, eine internationale Kommission nach Venezuela zu entsenden.

Venezuelas Botschafter in der OAS, Roy Chaderton, wies die Beschuldigungen zurück. Er forderte seinerseits, eine Kommission zu entsenden, die US-Militärbasen in Kolumbien untersuchen soll. Diese dienen Angaben der Regierungen von Kolumbien und den USA vor allem dazu, die Drogenkriminalität in der Region zu bekämpfen. Wegen der Vorwürfe hatte Venezuela vergangene Woche seinen Botschafter aus Bogotá abgezogen, gleiches tat Kolumbien vor der Sitzung der OAS.

Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte beide Länder zum Dialog auf. Ban hoffe, dass die Streitigkeiten der beiden Regierungen durch Gespräche gelöst werden könnten, sagte sein Sprecher. Der UN-Generalsekretär rufe alle Seiten "zur Mäßigung auf, damit die Situation auf friedliche Weise gelöst werden kann".

Der Generalsekretär der OAS, José Miguel Insulza, sagte, er hoffe, beide Länder würden ihren Streit beilegen und sich "in den kommenden Tagen" verständigen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen sei "nicht die richtige Art", mögliche Vorwürfe zu äußern.

Die Beziehungen beider Länder haben sich weiter verschlechtert, seit Kolumbien und die USA im Juli 2009 eine Militärkooperation vereinbarten, die Venezuela als Bedrohung der Sicherheit der Region betrachtet.