Neun Jahre liegt der Sturz der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan zurück, doch die Umsetzung ihres drakonischen Rechtsverständnisses gehört noch nicht der Vergangenheit an: Aufständische Taliban haben nach Polizeiangaben eine schwangere Frau öffentlich hingerichtet. Der Vize-Polizeichef der Provinz Badghis, Dschabar Saleh, sagte, ein Taliban-Gericht habe die Frau für schuldig befunden, durch eine unerlaubte Affäre schwanger geworden zu sein.

Die Frau sei zunächst drei Tage eingesperrt worden, sagte Saleh. Danach sei sie mit 200 Hieben ausgepeitscht worden. Anschließend wurde sie mit drei Schüssen in den Kopf getötet. Ein Taliban-Kommandeur in dem entlegenen Distrikt Kadis habe das Todesurteil gefällt und die Frau persönlich hingerichtet.

Nach der Hinrichtung wurde die Leiche in ein von den Islamisten überwachtes Gebiet geschafft. Der Mann, der eine Affäre mit ihr gehabt haben soll, wurde nicht bestraft. Der Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission in Westafghanistan, Abdul Kadir Rahimi, verurteilte die Hinrichtung als "inakzeptabel". Die Taliban wiesen die Vorwürfe zurück. "Wer auch immer das getan hat, gehört nicht zu den Taliban", sagte der Sprecher der Extremisten.

Während ihrer Herrschaft zwischen 1996 und 2001 hatten die Taliban Menschen unter anderem in Fußballstadien öffentlich hingerichtet. Unverheiratete Paare wurden gesteinigt. Knapp neun Jahre nach dem Einmarsch der internationalen Truppen haben die Aufständischen in den von ihnen kontrollierten Gebieten ein paralleles Rechtssystem aufgebaut, das auf ihrer harschen Interpretation des Islam basiert.