In Indonesien hat die Polizei den radikalislamischen Prediger Abu Bakr Baschir festgenommen, der als geistlicher Führer der Terrorgruppe Jemaah Islamiyah gilt. Der 71-Jährige steht unter dem Verdacht, eine Terrorgruppe in der Provinz Aceh im Norden der Insel Sumatra unterstützt zu haben, wie das Sicherheitsministerium mitteilte. Die Gruppe soll einen Anschlag auf Präsident Susilo Bambang Yudhoyono geplant haben.

Nach Polizeiangaben wurde der Prediger in der Provinz West-Java festgenommen. Zu dem Zeitpunkt habe Baschir eine Koranstunde abgehalten, sagte sein Anwalt Achmad Cholid. Der Geistliche wurde nach seiner Festnahme in das Polizei-Hauptquartier in der Hauptstadt Jakarta gebracht. Baschir machte einen ruhigen Eindruck, als er von Polizisten einer Spezialeinheit in das Gebäude geführt wurde. Im Vorbeigehen sagte er zu Journalisten, hinter seiner Festnahme steckten die USA.

Baschir werde unter anderem vorgeworfen, mit Geld das militärische Ausbildungslager einer Terrorgruppe in Aceh unterstützt zu haben, sagte der Chef der Anti-Terror-Abteilung im Sicherheitsministerium, Ansyaad Mbai. Die Gruppe stehe mit der Jemaah Islamiyah und anderen radikalen Gruppen in Indonesien in Verbindung. Die Polizei hatte am Wochenende bereits fünf Männer aus Baschirs Umfeld unter Terrorverdacht festgenommen. Bei dieser Gruppe sei Beweismaterial für geplante Anschläge auf Hotels und Botschaften gefunden worden, sagte der Polizeisprecher. Die Beamten hätten auch Sprengstoff und Munition sichergestellt, ebenso wie ein Auto, das voll mit Sprengstoff in die Luft gesprengt werden sollte.

Bei der Organisation des im Februar aufgedeckten Terrorcamps habe Baschir "eine wichtige Rolle" gespielt, sagte ein Polizeisprecher. In regelmäßigen Berichten sei er von den Verantwortlichen vor Ort über das Lager und die Ausbildung der Kämpfer dort informiert worden.

In Zusammenhang mit den Ermittlungen zu dem ausgehobenen Terrorcamp hatte die Polizei im Mai drei Verdächtige festgenommen, die mit Baschir in Verbindung standen. Der Prediger erklärte jedoch, er habe keinerlei Verbindung zu dem Ausbildungslager. Die Ermittler werfen der in Aceh aufgedeckten Gruppe vor, einen Anschlag auf eine Feier zum Unabhängigkeitstag am 17. August geplant zu haben, zu der auch der Präsident kommen soll.

Seit der Aushebung des Terrorcamps in Aceh ging die Polizei in zahlreichen Aktionen gegen islamistische Gruppen im ganzen Land vor. Dabei wurden rund ein Dutzend mutmaßliche Islamisten getötet, mehr als hundert Verdächtige festgenommen sowie Waffen und Sprengstoff sichergestellt. Im März töteten Sicherheitskräfte den mutmaßlichen Führer des Terrornetzwerks in Aceh, Dulmantin, der auch einer der Drahtzieher des Anschlags auf Bali im Jahr 2002 gewesen sein soll.

Die Gruppe Jemaah Islamiyah ist für die Terroranschläge auf Bali verantwortlich, bei denen mehr als 200 Menschen getötet wurden, darunter auch sechs Deutsche. Nach den Anschlägen wurde Baschir wegen Verschwörung inhaftiert , kam aber nach 26 Monaten wieder frei. Ihm wurde vorgeworfen, der geistliche Führer der Gruppe zu sein, der Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida nachgesagt werden. Baschir hatte diese Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Jemaah Islamiyah kämpft für die Errichtung eines Gottesstaates in den muslimischen Ländern Südostasiens. Die jüngsten Anschläge, die der Gruppe zugeschrieben werden, wurden im Juli 2009 verübt. Damals rissen zwei Selbstmordattentäter in zwei Luxushotels in Jakarta sieben Menschen mit in den Tod.