Die US-Regierung hat Israel einem Bericht der New York Times (NYT) zufolge davon überzeugt, dass von Iran keine unmittelbare atomare Bedrohung ausgeht. Wie das Blatt in seiner Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, brauche das Mullahregime nach Einschätzung Washingtons etwa ein Jahr oder möglicherweise auch länger , um aus nuklearem Material eine funktionierende Waffe herzustellen. Iran habe ständig Probleme mit seinem Atomprogramm. Die Ursachen für diese Schwierigkeiten seien unklar.

Diese Einschätzung der US-Beamten basiert dem Bericht zufolge auf Geheimdienstinformationen aus dem vergangenen Jahr sowie Berichten internationaler Atominspektoren. Demnach verfügt der Iran zwar über genug Material für zwei Atomwaffen, verfüge für eine kritische Anreicherung allerdings nicht über ausreichend Zentrifugaltechnik. Auch Beschaffungsengpässe oder Sabotageakte könnten Ursache der Probleme sein.

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Amerikanische Beamte hätten ihre israelischen Kollegen davon unterrichtet, dass ein kurzfristiger entscheidender Fortschritt Irans in Richtung Atombombe kaum wahrscheinlich sei, schreibt die Zeitung. Sie gingen nun davon aus, dass damit ein israelischer Militärschlag gegen Irans Nukleareinrichtungen unwahrscheinlicher werde. Dem Bericht zufolge hatte die Regierung in Jerusalem bislang befürchtet, die Islamische Republik könne bereits in wenigen Monaten in der Lage sein, ihr schwach angereichertes Uran in waffenfähiges Material umzuwandeln. Israel hatte daher in der Vergangenheit mehrfach eine härtere Gangart gegenüber Teheran angemahnt.

Die US-Regierung sieht laut NYT nun jedoch mehr Spielräume, um mögliche Angriffe abzuwägen. Die Zeitung zitiert Gary Samore, Spitzenberater von Präsident Barack Obama in Nuklearfragen, mit den Worten: "Ein Jahr ist ein sehr langer Zeitraum." Samore gehe davon aus, dass internationale Inspektoren einen iranischen Durchbruch im Nuklearbereich innerhalb von Wochen bemerken würden. Damit bliebe den USA und Israel genügend Zeit, um über einen Militärschlag nachzudenken.

Iran hatte stets betont, es betreibe sein Nuklearprogramm mit friedlicher Absicht, was vom Westen jedoch bezweifelt wird. Der Westen, allen voran die USA und Israel, verdächtigt das Regime in Teheran dagegen, an der Atombombe zu bauen. Um die Islamische Republik zu ernsthaften Verhandlungen zu drängen, haben die USA , die UN und die EU ihre Sanktionen verschärft.