Es fällt schwer, die ersten Auftritte David Camerons auf internationalem Parkett als erfolgreich zu bezeichnen. Der frischgebackene Premier, gerade drei Monate im Amt, hat es auf seiner ersten Auslandstournee immerhin geschafft, gleich mehrere Nationen zu verärgern. Eine beachtliche Leistung für den jungen Regierungschef, der mit dem erklärten Ziel angetreten ist, die britische Rolle in der Welt neu zu definieren.

David Cameron versteht Außenpolitik im Wesentlichen als Verlängerung von Wirtschafts- und Handelspolitik. Allein das so definierte nationale Interesse soll Großbritanniens internationale Rolle bestimmen. Anders ausgedrückt: Weg mit hochfliegenden idealistischen Projekten wie dem Versuch einer "ethischen Dimension" britischer Außenpolitik, vom "liberalen Interventionismus" eines Tony Blair ganz zu schweigen. Fortan soll hartgesottener Pragmatismus dominieren, der einzig britischen Interessen zu dienen hat.

Doch kaum nach Hause zurückgekehrt, fand sich Cameron nach der Reise, die ihn nach Washington, in die Türkei und nach Indien führte, im Zentrum eines politischen Sturmes wieder. Eine hochrangige Delegation pakistanischer Geheimdienstler sagte ein lange geplantes Treffen mit dem britischem Secret Service ab. Der Chef des pakistanischen Geheimdienstes, ISI, dessen ambivalente Rolle im Kampf gegen die Taliban durch die Enthüllungen geheimer Dokumente auf Wikileaks erneut öffentlich gemacht wurde, verbot seinen Offizieren die Reise nach London. Selbst der Staatsbesuch des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari in dieser Woche schien in Gefahr.

Der Grund ist tiefe pakistanische Verstimmung über die Äußerungen des britischen Premiers. Ausgerechnet in Indien, dem Erzrivalen Pakistans, hatte David Cameron frei vom Leder gezogen, Pakistan der "Doppelbödigkeit" gegenüber dem islamistischen Extremismus der Taliban und des "Exportes von Terror" bezichtigt. In Indien, das wiederholt Terrorattacken radikaler Islamisten aus Pakistan ausgesetzt war, kamen die Worte Camerons ausgesprochen gut an. Anderswo war man weniger glücklich. Diplomaten im Londoner Außenministerium raufen sich die Haare über das Porzellan, das Cameron zerschlagen habe.

David Milliband, Außenminister in der letzten Labourregierung, warf dem Premier vor, ein "loud mouth" zu sein; er habe den Mund zu weit aufgemacht und nicht die internationalen Folgen bedacht. Natürlich ist Labour froh, dem zurzeit noch höchst populären, konservativen Regierungschef endlich einmal am Zeug flicken zu können.

Doch selbst in eigentlich freundlich gesonnenen Gazetten klingt Sorge an. Gewiss sei Cameron charmant und erfrischend, endlich rede ein Politiker einmal "Klartext", fand der Daily Telegraph , der sich allerdings stets durch unverbrüchliche Loyalität zu den Tories auszeichnet. Aber selbst in konservativen Kreisen fragt man sich, ob der junge Regierungschef nicht vielleicht doch allzu unbekümmert agiert habe.

Dabei ist es fraglich, ob es sich bei Camerons Äußerungen zu Pakistan tatsächlich um einen verbalen Ausrutscher gehandelt hat. Zur Strategie Camerons gehört, dass er der Zuhörerschaft des Landes, in dem er sich gerade befindet und für britische Interessen einsetzt, das sagt, was sie gerne hört. Wenige Tage vor seinem Auftritt in Indien hatte er eine vergleichbare Kostprobe dieser Taktik an der Seite des türkischen Premiers Erdogan geliefert und Israel scharf kritisiert. Gaza nannte er "ein Gefangenenlager", ohne auch nur mit einem einzigen Wort die islamistischen Extremisten von Hamas zu erwähnen, die dies "Gefangenenlager" leiten. Auch dass Raketen eigentlich nie aus Gefängnissen abgeschossen werden und dass Hamas Israels Vernichtung anstrebt, ließ er unerwähnt.