Die Anklage gegen Rod Blagojevich ist vorerst verpufft: In einem Korruptionsprozess in Chicago befand die Jury den umstrittenen Ex-Gouverneur von Illinois lediglich in einem von 24 Anklagepunkten für schuldig – wegen Falschaussage. In Bezug auf die übrigen Vorwürfe – darunter versuchte Erpressung, Betrug und kriminelle Geschäftemacherei – einigten sich die Geschworenen dagegen nicht. Angesichts der offenen Anklagepunkte erklärte Richter James Zagel den Prozess für gescheitert.

Blagojevich drohen damit bisher fünf statt wie erwartet 20 Jahre Haft. Für ein höheres Strafmaß müsste die Staatsanwaltschaft ein neues Verfahren für die offenen Anklagepunkte anstrengen. Genau dies will sie nun tun.

Auch der Ex-Gouverneur kündigte an, gegen den Schuldspruch der Falschaussage in Berufung zu gehen. Ansonsten feierte er die Unentschlossenheit der Jury als Sieg. "Sie konnten nicht beweisen, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe und ich irgendein Gesetz gebrochen hätte, mit Ausnahme eines fünf Jahre alten nebulösen Vorwurfs", sagte Blagojevich nach Bekanntgabe der Entscheidung.

Die Anklage begründete den Vorwurf der Falschaussage mit einer Behauptung des Politikers gegenüber FBI-Beamten, wonach er nie habe wissen wollen, wer für seinen Wahlkampf spende. Solche Dinge habe er vom Gouverneursamt stets ferngehalten. Die Staatsanwaltschaft sah darin eine Lüge. Überhaupt sah sie in Blagojevichs Amtsführung eine Art "Unternehmen", dessen Zweck es gewesen sei, die Regierung des Bundesstaates für den politischen und finanziellen Nutzen des Gouverneurs, seiner Familie und seiner Freunde auszubeuten, heißt es in der Anklageschrift.

Ausgelöst wurde die Affäre um Blagojevich durch den Verdacht, er habe eine illegale Auktion um den freien Senatssitz des ins Präsidentenamt wechselnden Barack Obama durchgeführt. Der Demokrat war daraufhin wegen dieses und anderer zum Teil acht Jahre zurückreichender Vorwürfe im Dezember 2008 festgenommen worden, kam aber gegen Kaution wieder frei. Ende Januar 2009 wurde er seines Amtes enthoben, als erster Gouverneur von Illinois. Die Affäre lenkte die Aufmerksamkeit auf die skandalträchtige Chicagoer Regionalpolitik: Fünf der vergangenen neun Gouverneure von Illinois wurden wegen Betrugs oder Korruption angeklagt. Wegen krimineller Machenschaften verbüßt Blagojevichs Vorgänger, der Republikaner George Ryan, eine sechseinhalbjährige Freiheitsstrafe.

Wie es am Ende für Blagojevich auch ausgehen mag, eines steht jetzt schon fest: Ein politisches Amt darf der 53-Jährige in den USA nie wieder übernehmen. Dies wurde ihm nach der Amtsenthebung verboten.