Am indischen Berg Niyamgiri lagert ein riesiges Bauxit-Vorkommen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Der britische Bergbau-Konzern Vedanta beantragte daher bereits 2005 die Erlaubnis, den zur Herstellung von Aluminium verwendeten Rohstoff abbauen zu dürfen. Aus diesem Vorhaben wird nun nichts: Das indische Umweltministerium verwehrte dem Unternehmen seine Zustimmung. Der Grund: Der kleine Stamm der Dongria Kondh, der in der Nähe siedelt, sei durch das Vorhaben in seiner Existenz gefährdet.

Das Umweltministerium folgte damit einer Empfehlung der indischen Waldkommission, wonach der Bauxit-Abbau Ökosystem und Wasserversorgung der Region "drastisch verändern" würde. Auch der Oberste Gerichtshof Indiens untersagte bereits 2007 den Abbau des Erzes, da die "nachhaltige Entwicklung" der Region in Gefahr sei.

Zudem betrachten die 8000 Mitglieder der Dongria Kondh den Berg als Sitz ihres Erntegottes Niyam Raja. Die Organisation Survival International hatte sie mit dem Volk der Na'vi im Film Avatar von James Cameron verglichen, die der Ausbeutung eines für die Menschheit wertvollen Metalls im Wege stehen. Die Organisation hatte zusammen mit Umweltschützern gegen den geplanten Tagebau mobil gemacht.

Vedanta äußerte sich zunächst nicht zur der Entscheidung. Der Konzern, sesshaft in London und unter Kontrolle des indischen Milliardärs Anil Agarwal, ist der zweitgrößte Aluminiumproduzent Indiens. Das Unternehmen wollte mit dem Bauxit von Niyamgiri eine nahegelegene Fabrik beliefern. Vedanta hatte versichert, der Bauxit-Abbau werde nur wenig Auswirkungen haben; der Wald könne nach dem Abbau wieder aufgepflanzt werden. Die Mine könne zudem zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in der armen Region beitragen; Der Konzern wollte unter anderem die Gesundheitsversorgung und Bildungsprojekte übernehmen.

Allerdings hatte Firmenchef Agarwal wohl schon geahnt, dass aus seinem Plan nicht werden dürfte: Angesichts des Widerstands gegen das Projekt hatte er zuletzt mitgeteilt, Vedanta suche nach anderen Bauxit-Vorkommen. An der Londoner Börse sackten die Aktien des Konzerns nach Bekanntwerden der Entscheidung um 5,7 Prozent auf 1921 Pence ab.