Die Wiederaufnahme der Nahost-Verhandlungen wird bereits kurz nach ihrer Ankündigung vom Streit über die israelische Siedlungspolitik überschattet. Zwar sagte nach Israel auch die Palästinenser-Regierung eine Teilnahme an dem Gipfeltreffen Anfang September in Washington zu. Allerdings drohten die Palästinenser mit einem Abbruch der Gespräche, sollte Israel den Wohnungsbau im Westjordanland wieder aufnehmen.

In Washington sollen nach fast zweijähriger Pause die direkten Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern unter der Schirmherrschaft von US-Präsident Barack Obama wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen über eine Zweistaatenlösung waren im vorletzten Jahr nach Beginn der israelischen Offensive im Gaza-Streifen abgebrochen worden. Gegenwärtig verhandeln beide Seiten indirekt über den US-Gesandten George Mitchell.

Schon bei der Annahme der Einladungen brach der Streit über den Siedlungsbau im Westjordanland wieder auf. Israel hat bis zum 26. September einen freiwilligen Baustopp verhängt. Der palästinensische Verhandlungsführer Saeb Erekat drohte mit einem Abbruch der Gespräche, sollten neue Bauprojekte angekündigt werden. Seine Regierung berief sich auf den Einladungstext des Nahost-Quartetts bestehend aus USA, Europäischer Union, Russland und UN. Dieses bezieht sich auf frühere Erklärungen, in denen ein solcher Stopp ebenfalls gefordert wird.

Dagegen sprach Israel von einer Einladung der USA, in der keine Bedingung genannt würde. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton hatte bei der formellen Ankündigung des Gipfels erklärt, dass es keine Bedingungen gebe.

Ursprünglich hatte Abbas erklärt, vor einem Treffen müsse neben einem Stopp des Siedlungsbaus auch eine klare Agenda ausgehandelt werden. Palästinensische Kritiker warfen dem Präsidenten daher vor, eingeknickt zu sein. "Jetzt hat er weder noch", sagte der Politik-Kommentator Hani al-Masri zu den ursprünglichen Bedingungen. "Das schadet der Glaubwürdigkeit des Präsidenten und der Führung." Die radikal-islamische Hamas könne dagegen Nutzen aus der Situation ziehen. Sie hält die Macht im Gaza-Streifen. Abbas hat erklärt, die Staatengemeinschaft habe massiven Druck auf ihn ausgeübt, an direkten Gesprächen teilzunehmen.

"Es ist schwierig, aber möglich, eine Vereinbarung zwischen uns und der Palästinenser-Regierung zu erzielen", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er sei sich klar, dass es vor dem Treffen mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas am 2. September tiefe Skepsis gebe. "Wir wollen alle Kritiker und Skeptiker überraschen. Dazu wird aber auf der Seite der Palästinenser ein echter Partner benötigt." Ein mögliches Abkommen mit den Palästinensern müsse auf für Israel akzeptablen Sicherheitsvereinbarungen basieren, stellte Netanjahu klar. Zudem müssten die Palästinenser Israel als "Staat des jüdischen Volkes" anerkennen. Auf die Frage der Siedlungen ging er zunächst nicht ein.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sagte dem Armeesender: "Ich glaube wirklich, dass Netanjahu unser Partner sein wird, und dass er, wenn er zwischen Besatzung und Versöhnung wählen muss, sich für die Versöhnung entscheidet." Bundeskanzlerin Angela Merkel rief beide Seiten auf, die Friedensgespräche im gesteckten Zeitrahmen von einem Jahr abzuschließen. Lösungen für die wichtigsten der offenen Fragen seien schon in früheren Verhandlungen erarbeitet worden, erklärte sie. Auch Außenminister Guido Westerwelle sprach von der Hoffnung auf rasche Fortschritte.

Die US-Regierung hat auch Jordaniens König Abdullah zu dem Gipfel eingeladen. Die amtliche jordanische Nachrichtenagentur Petra meldete, das Staatsoberhaupt habe angenommen. Das Nachbarland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder um eine Lösung des Nahost-Konflikts bemüht.