Rückschlag für US-Präsident Barack Obama: Die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen, die dank seiner Anordnung mit Staatsgeldern gefördert wird, muss vorerst ausgesetzt werden. Dies verfügte ein Bezirksgericht per Eilentscheid. Durch die Forschung würden menschliche Embryonen zerstört, hieß es in der Begründung des Gerichts.

Richter Royce Lamberth folgte damit einem Antrag mehrerer Stammzellenforscher, die das Verfahren gegen das nationale Gesundheitsinstitut im Juni angestrengt hatten und dabei von christlichen Gruppierungen unterstützt worden waren. Sie hatten argumentiert, dass die Behördenpolitik gegen US-Gesetze verstoße und Forschern Gelder wegnehme, die planten, mit Stammzellen Erwachsener zu arbeiten.

Mit seinem Votum eröffnete das Gericht den Klägern auch die Chance, gegen die Forschungsförderung zu klagen und damit die gesamte Regelung zu Fall zu bringen.

Die Gesundheitsbehörde und das Justizministerium haben den Eilentscheid bislang nicht bewertet. Es gilt aber als sicher, dass die Regierung rasch Berufung gegen die einstweilige Verfügung einlegen wird.

Im März 2009 hatte der US-Präsident den restriktiven Kurs seines Vorgängers George W. Bush in der Stammzellenforschung außer Kraft gesetzt. Unter dem Republikaner gab es staatliche Gelder nur für die wissenschaftliche Arbeit an solchen menschlichen embryonalen Stammzell-Linien, die vor August 2001 gewonnen worden waren. Obama erlaubte dann die staatliche Förderung der Arbeit auch an neu gewonnenen Stammzell-Linien .

Zu einer Stammzell-Linie zählen alle gezüchteten Zellen, die sich auf denselben Ursprung zurückführen lassen. Die Vermehrung von Stammzellen in Labors hat den Vorteil, dass Experimente zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten an identischem Erbmaterial vorgenommen werden können.

Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist ethisch stark umstritten, weil dazu Zellen aus Embryonen entnommen werden, die künstlich erzeugt wurden, dann aber keiner Frau eingepflanzt wurden.

Die Befürworter halten dagegen, dass die embryonale Stammzellenforschung bei der Bekämpfung und Heilung einer ganzen Reihe von Krankheiten helfen könnte – von Parkinson und Alzheimer bis hin zu Diabetes. Die Forschung diene dazu, die Entwicklung des menschlichen Organismus besser zu verstehen und Wege zu finden, um einmal Ersatzgewebe für schwer kranke Patienten zu züchten.