Am 4. September 2009 fielen Bomben auf ein Flussbett nahe des Bundeswehrstützpunkts im afghanischen Kundus . Mehr als hundert Menschen wurden getötet oder verletzt, zwei zuvor von Aufständischen entführte Tanklastzüge gingen in Flammen auf. Verantwortlich für den Befehl war Oberst Georg Klein. Gegen ihn ermittelten die Bundesanwaltschaft und sein Arbeitgeber. Nach der Anklagebehörde in Karlsruhe hat nun auch die Bundeswehr das Verfahren eingestellt. Die Militärs verzichten auf ein Disziplinarverfahren gegen den damaligen Befehlshaber.

Gemäß der Vorschriften der Wehrdisziplinarordnung hatte die Bundeswehr Vorermittlungen gegen Klein eingeleitet . Geprüft wurde, ob der Oberst mit seinem Handeln gegen die zum Zeitpunkt des Bombardements geltenden nationalen und internationalen Einsatzregeln verstoßen habe. Wie das Pressezentrum des Heeres mitteilte, gebe es aber keine Anhaltspunkte für ein Dienstvergehen.

Das Verfahren der Bundesanwaltschaft war bereits am 16. April eingestellt worden . Nach Auffassung der Behörde verstieß Kleins Handeln nicht gegen das Völkerrecht oder das allgemeine Strafrecht. Schließlich könnten die Soldaten wegen der Tötung von Zivilisten nicht strafrechtlich verfolgt werden , solange dies im Rahmen "völkerrechtlich zulässiger Kampfhandlungen" geschehe, hieß es in der Begründung.

Vollständig abgeschlossen sind die Untersuchungen der Luftschläge von Kundus aber noch nicht: Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss beschäftigt sich voraussichtlich noch bis Ende des Jahres mit dem Fall.