Indien hat Pakistan Fluthilfe angeboten und die Regierung in Islamabad damit in ein Dilemma gestürzt. Die pakistanische Zeitung Dawn berichtete am Samstag unter Berufung auf Regierungsquellen in Islamabad, das Angebot des Nachbarstaats sei nicht umgehend abgelehnt worden. Es werde demnächst entschieden, wie damit umzugehen sei. Die pakistanische Regierung hat mehrfach an das Ausland appelliert, das Land wegen der Jahrhundertflut finanziell stärker zu unterstützen. Doch Hilfe aus Indien anzunehmen, ist für die pakistanische Regierung schwierig. Pakistan betrachtet das Nachbarland auf dem indischen Subkontinent als Erzfeind.

Dawn berichtete weiter, der indische Außenminister S.M. Krishna habe seinem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi bei einem Telefonat fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) Fluthilfe angeboten. Das sei eine "Geste der Solidarität mit dem pakistanischen Volk in dessen Stunde der Not".

Hilfe ist in den Flutgebieten dringend nötig: Nach dem verheerenden Hochwasser warten in Pakistan nach Schätzungen der Vereinten Nationen noch immer sechs Millionen Menschen auf Hilfe. Unter anderem fehle den Opfern sauberes Trinkwasser, Nahrung und ein angemessener Schutz vor Wind und Wetter, teilte die UN am Samstag mit. In den Katastrophengebieten sind demnach landesweit 14 Millionen Menschen betroffen, fast jeder zehnte Pakistaner. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will am Wochenende Pakistan besuchen und sich einen Überblick über den Bedarf verschaffen.

Die UN haben zu Nothilfen in Höhe von 459 Millionen Dollar aufgerufen. Sollte nicht bald Hilfe eintreffen, werden die Opferzahlen demnach noch weiter steigen. Bislang sind mehr als 1600 Menschen ums Leben gekommen. Im Nordwesten gab es zuletzt erste Fälle von Cholera und einer schweren, zum Teil tödlich verlaufenden Durchfallerkrankung.

Die gemeinsame Geschichte der Staaten Pakistan und Indien, die bis 1947 britische Kolonie waren, ist überschattet von Gewalt. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Pakistan verlor einen großen Teil des Landes, als Bangladesch mit indischer Hilfe 1971 die Unabhängigkeit erkämpfte. Anfang 2004 nahmen die beiden südasiatischen Atommächte Friedensgespräche auf, die aber seit der Terrorserie von Mumbai auf Eis liegen.

Die Terroranschläge in der erstindischen Wirtschaftsmetropole im November 2008 haben die Beziehungen zwischen den Nachbarn schwer belastet. Nach Überzeugung der Regierung in Neu Delhi wurden die Angriffe von Mumbai (früher Bombay) in Pakistan vorbereitet. Indien wirft der pakistanischen Regierung vor, nicht ausreichend gegen muslimische Terrorgruppen vorzugehen.