Eine Chartermaschine mit einer Gruppe von etwa 60 Roma startete an diesem Donnerstagnachmittag im französischen Lyon. Es handelt sich um sogenannte freiwillige Rückkehrer – die Freiwilligkeit beruht allerdings auch auf finanziellen Anreizen, Erwachsene erhalten von Frankreich 300 Euro, pro Kind gibt es 100 Euro.

Die nun Abgeschobenen sind Teil der insgesamt rund 700 Roma, die nach dem Willen der konservativen Regierung bis Monatsende in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden sollen. Die Polizei setzte unterdessen die Räumung von nicht genehmigten Roma-Siedlungen in Frankreich fort.

Die Abschiebungen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. 132 Roma werden am Freitag in der westrumänischen Stadt Temeswar erwartet. Eine weitere Gruppe soll nach rumänischen Regierungsangaben am Donnerstag kommender Woche abgeschoben werden. Es handelt sich nach Darstellung der französischen und rumänischen Regierung ausschließlich um "freiwillige Rückkehrer". Ihnen wird in der Regel eine Heimkehrhilfe von 300 Euro pro Erwachsenem gezahlt. Wegen der EU-Freizügigkeit hatte die rumänische Seite allerdings hervorgehoben, dass sie die Roma nicht von einer umgehenden Rückkehr nach Frankreich abhalten könne.

Kommende Woche werden zwei rumänische Staatssekretäre in Paris erwartet, um die Frage der Abschiebungen und der Wiedereingliederung der Roma in Rumänien zu erörtern. Frankreich will seinerseits im September eine Datei mit biometrischen Daten einführen, um die Rückkehr der Abgeschobenen zu verhindern.

Eine nicht genehmigte Siedlung von etwa hundert Roma räumte die Polizei am Donnerstagmorgen in Saint Martin d'Hères im ostfranzösischen Departement Isère. Einige Roma hätten ihre Bereitschaft zur Rückkehr nach Rumänien erklärt, bei anderen werde der Aufenthaltsstatus geprüft, teilte die Präfektur mit.

Die Räumung Dutzender Roma-Lager in den vergangenen Wochen sowie die Abschiebungen stoßen international auf Kritik; die EU, der UN-Ausschuss gegen Rassendiskriminierung sowie eine Reihe von Menschenrechtsorganisationen riefen Frankreich auf, sich an Recht und Gesetz zu halten. Auch im konservativen Lager von Staatspräsident Nicola Sarkozy gab es bereits heftige Kritik.

Der UMP-Abgeordnete Jean-Pierre Grand hatte die Räumungen als "schändlich" bezeichnet und gesagt, dass er sich an "Zusammentreibungen" während des Zweiten Weltkriegs erinnert fühle. Sarkozy hatte im Juli nach Ausschreitungen von französischen Roma gegen die Polizei in der Bretagne die Räumung illegaler Siedlungen sowie die Abschiebungen angekündigt.