Der türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink war im Jahr 2007 von einem Rechtsextremisten auf offener Straße erschossen worden. Nun will die türkische Regierung einem Zeitungsbericht zufolge eine Mitschuld der Behörden an der Ermordung eingestehen. Das hätten Außen-, Justiz- und Innenminister beschlossen, meldete die Zeitung Hürriyet . Die neue Haltung Ankaras soll demnach bis Mitte September dem Europäischen Menschenrechtsgericht in Straßburg übermittelt werden, das sich mit dem Fall Dink befasst. Die Türkei bemüht sich in dem Straßburger Verfahren um eine gütliche Einigung mit Dinks Familie.

Vor der Ermordung hatte den Journalisten ein türkisches Gericht wegen "Beleidigung des Türkentums" verurteilt. Das Straßburger Gericht befasst sich nun mit einer Beschwerde gegen das Urteil sowie mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs gegen die türkischen Behörden, die den Mord nicht verhinderten. Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die türkische Regierung die Verurteilung des ermordeten Journalisten in einer Stellungnahme für das Straßburger Gericht gerechtfertigt und Dink selbst mit einem Neonazi verglichen hatte.

Laut Hürriyet will die türkische Regierung nun vor Gericht ihre Verantwortung für den Tod des Journalisten eingestehen. Damit erkenne Ankara an, dass die Türkei das Leben ihres Bürgers Dink nicht geschützt habe und dass Fehler gemacht worden seien.