Gut zwei Wochen nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl hat Australiens Premierministerin Julia Gillard ihren Verbleib an der Macht gesichert. Zwei unabhängige Abgeordnete schlugen sich auf die Seite der Regierungschefin und ihrer Labor Party, die künftig auf die Unterstützung von 76 Abgeordneten zählen kann. Die Opposition kommt auf 74 Sitze.

Gillard und Oppositionsführer Tony Abbott umwarben in den vergangenen Tagen heftig jene vier Abgeordneten, die keiner der beiden großen Parteien angehören. Vergangenen Donnerstag sprach sich der unabhängige Abgeordnete Andrew Wilkie für die Regierungschefin aus, dann stellte der Abgeordnete Rob Katter mit seiner Unterstützung für das national-liberale Oppositionsbündnis kurzzeitig den Patt wieder her.

Ausschlaggebend war nun das Votum der Abgeordneten Rob Oakeshott und Tony Windsor. Sie entschlossen sich nach zähen Verhandlungen dazu, die Regierung von Gillard zu unterstützen. Beide Politiker sagten, ihre Priorität sei gewesen, dem Land eine stabile Regierung für die dreijährige Legislaturperiode zu verschaffen. Oakeshott warnte aber, dass er Gillards Regierung im Fall von Misswirtschaft oder Korruption sein Vertrauen wieder entziehen könnte.

"Labor ist bereit für die Regierung", sagte eine lächelnde Gillard vor Journalisten in Canberra. Die Premierministerin hatte den Posten erst im Juni von ihrem zunehmend unpopulären Vorgänger Kevin Rudd übernommen, den sie mit einer parteiinternen Revolte aus dem Amt gedrängt hatte.

Im Wahlkampf hatte die in Wales geborene 48-Jährige vor allem Verbesserungen des Bildungs- und des Gesundheitssystems sowie einen Ausbau der Internetversorgung versprochen. Der 52-jährige Abbott hatte dagegen versucht, mit Forderungen nach einem verstärkten Kampf gegen illegale Einwanderer und einem Abbau der Staatsverschuldung zu punkten.

Die Parlamentswahl am 21. August hatte Australien erstmals seit 70 Jahren ein Patt beschert: Sowohl die regierende Labor Party als auch die Opposition kamen auf 73 der 150 Sitze. Einen Regierungschef bestimmt allerdings die Partei, die die absolute Mehrheit von 76 Sitzen im Repräsentantenhaus erreicht.