Kurz vor Beginn der ersten direkten Nahost-Friedensgespräche seit rund zwei Jahren hat Israel in einem der wichtigsten Streitpunkte Flexibilität signalisiert. Im Rahmen eines Friedensvertrages sei Israel zur Abtretung von Teilen Jerusalems an die Palästinenser bereit, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak in einem Interview der Tageszeitung Ha'aretz .

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte eine Teilung der Stadt bisher kategorisch abgelehnt. Am Mittwoch trifft Netanjahu in Washington zum ersten Mal persönlich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas zum Auftakt direkter Friedensverhandlungen.

Israels Anspruch auf das 1967 eroberte und später annektierte Ost-Jerusalem wird international nicht anerkannt. Baraks Äußerungen signalisierten die Bereitschaft Israels zu Abstrichen im Streit um Jerusalem. Die Palästinenser wollen das Gebiet mit der Altstadt und den zahlreichen für Muslime, Juden und Christen heiligen Stätten zur Hauptstadt eines eigenen Staats machen. Netanjahu hat Jerusalem dagegen als "unteilbare und ewige" Hauptstadt Israels bezeichnet. 

"West-Jerusalem und zwölf jüdische Viertel mit 200.000 Bewohnern werden uns gehören", sagte Barak. "Die arabischen Gegenden, in denen fast eine Viertel Million Palästinenser leben, wird ihnen gehören."

Barak betonte, dass der jüngste Anschlag auf israelische Siedler im Westjordanland die Gespräche in Washington nicht behindern sollte. Zu dem Attentat, bei dem vier Israelis starben, hatte sich die radikal-islamische Hamas bekannt. Sie erkennt die Palästinenser-Führung unter Abbas nicht an und sperrt sich gegen Verhandlungen mit Israel.