Bereits seit Jahren hatten Menschenrechtsgruppen auf die Praxis der "Heiyus", der "schwarzen Gefängnisse" und die dortigen Menschenrechtsverletzungen hingewiesen. Lange dauerte es, bis Chinas Regierung überhaupt die Existenz solcher Geheimknäste eingestand. Nun macht sie sich an die juristische Aufarbeitung: Die Pekinger Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren gegen eine Sicherheitsfirma ein, wie die Tageszeitung China Daily berichtet . Deren Mitarbeiter sollen aufmüpfige Bittsteller aus den Provinzen abgefangen, in "schwarzen Gefängnissen" festgehalten und dann in ihre Heimatorte zurückgeschickt haben.

In China gibt es seit Langem die Tradition, dass Klageführer aus anderen Städten an bestimmten Petitionsstellen in Peking über Behördenwillkür, illegale Enteignungen, Korruption oder andere Ungerechtigkeiten berichten und ihr Recht suchen können. Um zu verhindern, dass die Zentralregierung auf diesem Weg von solchen Missständen erfährt, zahlen lokale Regierungen Honorare dafür, die jeweiligen Klageführer vorher einzufangen und festzuhalten.

Menschenrechtler hatten nicht nur die unzulässigen Festnahmen, sondern auch schwere Misshandlungen in den "schwarzen Gefängnissen" kritisiert. Beispielsweise berichtete Human Rights Watch von körperlicher Gewalt, Schlafentzug und Erpressung. Die chinesische Führung mauerte lange. Erst als im vergangenen November ein Vergewaltigungsfall in einem "Heiyu" in ganz Chinas Schlagzeilen machte, sah sie sich dazu gezwungen, erstmals die Existenz der Geheimknäste zuzugestehen.

Die Gefängnisse sind oftmals in alten Hotels, Pflegeheimen oder auch Krankenhäusern untergebracht. Auch der laut Medienberichten nun festgenommene Manager der Anyuanding Security Services Company, Zhang Jun, soll eine derartige Einrichtung betrieben haben. Gegen ihn bestehe der Verdacht "illegaler Inhaftierung von Personen und rechtswidriger Geschäfte". In alten Hotels oder gemieteten Häusern seien die Bittsteller gegen ihren Willen festgehalten worden. Ihnen seien Personalausweise und Handys abgenommen worden, bis die Behörden ihrer Heimatorte die Anweisung gegeben hätten, sie zurückzuschicken. Die Firma habe 3000 Mitarbeiter. Allein 2008 habe der Umsatz 21 Millionen Yuan (2,3 Millionen Euro) betragen, schrieb das Magazin Caijing .