Die knappen Staatskassen in den EU-Ländern lassen Kooperationsideen gedeihen, die bis vor Kurzem in der Welt der Militärs noch undenkbar erschienen. Einem Bericht der Pariser Tageszeitung Le Figaro zufolge erwägen Frankreich und Großbritannien, eine gemeinsame Flugzeugträgerflotte aufzustellen. Die bilaterale Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass ständig mindestens ein Riesenschiff einsatzbereit ist. Zudem könnten Neubau-Projekte auf Eis gelegt und Einsparungen in Milliardenhöhe erzielt werden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die  Zusammenarbeit bei den Flugzeugträgern soll nach Angaben von Le Figaro am kommenden Freitag während eines Treffens der Verteidigungsminister beider Länder besprochen werden. Eine Entscheidung könnte auf einem Gipfel im November fallen, schreibt die Zeitung. Flugzeugträger sind besonders teure Schiffe. Nicht nur der Bau, sondern auch der Unterhalt verschlingen viele Millionen. Nur sehr wenige Staaten weltweit können sich Neubauten leisten. Die USA stellten 2009 ein neues amphibisches Angriffsschiff in Dienst, dessen Bau allein rund 1,2 Milliarden US-Dollar gekostet haben soll – größere Träger kosten mehr als fünf Milliarden Dollar. Lediglich neun Staaten weltweit verfügen über einsatzbereite Flugzeugträger.

Bisher wird keines dieser Großschiffe von mehreren Staaten gemeinsam betrieben. Unter Verteidigungsexperten gilt die Idee der gemeinsamen Flotte als fragwürdig. Die Flugzeugträger nutzen unterschiedliche Technik und müssten erheblich modifiziert werden, um jeweils den Start französischer und britischer Kampfjets zu ermöglichen. Unklar ist zudem, was im Fall eines Streits über Strategiefragen passieren würde. Beispielsweise waren die Briten im Einsatz im Irak, nicht aber die Franzosen. Frankreich verließ 1966 die militärischen Strukturen der Nato, weil das Land eigenständig über seine Verteidigung entscheiden wollte. Erst im vergangenem Jahr kehrte die " Grande Nation " vollständig in das Bündnis zurück.

Frankreich verfügt derzeit nur über einen Flugzeugträger ( Charles de Gaulle ), Großbritannien über zwei ( HMS Illustrious und HMS Ark Royal ) und einen Hubschrauberträger ( HMS Ocean ), von dem auch Flugzeuge starten können. Alle drei Schiffe fallen wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten regelmäßig aus. Die USA unterhalten elf Flugzeugträger und zehn amphibische Angriffsschiffe, von denen ebenfalls Flugzeuge starten können.

Auch Deutschland und Frankreich wollen sich bezüglich der notwendigen Sparmaßnahmen im Verteidigungsbereich eng miteinander abstimmen. Bereits vor einigen Wochen vereinbarte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin die Gründung einer deutsch-französischen Arbeitsgruppe zum Thema. Sie soll unter anderem Sparpotenziale erörtern und Möglichkeiten prüfen, wie die Arbeiten im Verteidigungsbereich aufgeteilt werden könnten. Deutschland stellt bereits mit den meisten seiner Nachbarstaaten gemeinsame Verbände auf. Außerdem wurde eine enge Kooperation beim Lufttransport vereinbart.

Die Verteidigungsexperten der SPD fordern seit Monaten, dass die Sparvorgaben aus dem Finanzministerium an die Bundeswehr zu einer Ausweitung der Kooperationen führen müssen. So verfügt Deutschland über mehr Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter als es die Sicherung des eigenen Luftraums erfordert. Deutsche Jets übernahmen in der Vergangenheit bereits vorübergehend die Luftraumsicherung über Island und über den baltischen Staaten. Da Deutschland über keinen Flugzeug- oder Hubschrauberträger verfügt, sagte ein ehemaliger hochrangiger deutscher Marineoffizier ZEIT ONLINE, dass er sich beim Bau solcher großen und teuren Schiffe eine Zusammenarbeit wünsche. Deutschland könnte im Gegenzug seine Fähigkeiten im U-Boot-Bereich anbieten.