Es gab einfach schon viel zu viele Versuche, in Israel würde heute niemand auch nur einen Schekel auf einen positiven Ausgang der Friedensgespräche verwetten. Warum sollte diesmal klappen, was in der Vergangenheit immer wieder grandios wie gefährlich scheiterte! Noch dazu mit einem altbekannten Premier an der Spitze einer rechten Koalition – ohne Spielraum für Manöver.

Doch gerade darin, so argumentieren die wenigen Optimisten in diesen Tagen, würde ja die echte Chance liegen. Nur ein ausgewiesener rechter Regierungschef könnte nämlich schaffen, was seinen Vorgängern bisher verwehrt blieb. Weil nur er am Ende mit der Unterstützung des breiten Volks rechnen kann, wenn es darum geht, präzedenzlose Kompromisse zu machen.

Benjamin Netanjahu also auf den Spuren von US-Präsident Nixon, der nach China reiste, und Menachem Begin, der überraschend Frieden mit Ägypten schloss. Der prominente Kolumnist Aluf Benn porträtierte den Premier jüngst in Haaretz gar als Gorbatschow. Könnte es also sein, dass ausgerechnet jener Mann, der seine politische Karriere darauf gebaut hat, einen Palästinenserstaat zu verhindern, diesem nun tatsächlich zur Geburt verhelfen will?

Auch da gehen die Meinungen auseinander. Es sei vielleicht gar nicht so sehr eine Frage des Wollens, sondern des Müssens, sagen manche. Denn wenn Obama es wirklich ernst meint mit seinem Versuch, den israelisch-palästinensischen Konflikt beizulegen, bliebe Netanjahu gar nichts anderes übrig, als sich zu beugen. Außerdem sei sein Pragmatismus – oder seine schwache Resistenzfähigkeit – stärker als alle Ideologie.

Andere wiederum schenken dem Premier Glauben, wenn der neuerdings immer öfter davon redet, dass er nicht erneut als Regierungschef angetreten sei, um einfach nur im Amt auszuharren. Mit sechzig Jahren sei das kein so großes Vergnügen und er habe vor, diesmal wirklich etwas zu vollbringen. "Ich will keine Ausreden, sondern Lösungen", sagte Netanjahu vor seiner Abreise nach Washington.

Sein erster großer Test wird spätestens am 26. September sein. Denn dann ist der zehnmonatige partielle Siedlungsstopp vorbei, auf den sich Netanjahu unter heftigem amerikanischem Druck eingelassen hatte. Falls dann die Bauaktivitäten wieder aufgenommen werden, will Mahmud Abbas aus den Gesprächen aussteigen.

Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Befürchtungen der Siedlerbewegung. Ihre Vertreter trauen nämlich Netanjahu sehr wohl zu, sich von all seinen bisherigen Versprechen radikal abzuwenden. Der Vorsitzende des Yesha-Rats, Danny Danon, gibt sich "sehr beunruhigt" darüber, dass Netanjahu seit mehr als einem Jahr einige Dinge nicht mehr sage. Nämlich, dass Jerusalem in Zukunft nicht geteilt werden dürfe, dass Israel nicht an die 1967er Grenzen zurückkehren werde, dass er keine Siedlungen auflösen werde.