Für die türkisch-armenischen Beziehungen ist es ein historischer Moment gewesen: Hunderte Armenier haben in einer Kirche im Osten der Türkei einen historischen Gottesdienst gefeiert. Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren wurde am Vormittag in der Inselkirche Akdamar im Van-See wieder eine Messe abgehalten.

Da in der historischen Kirche aus dem 10. Jahrhundert nur wenige Platz fanden, mussten die meisten Besucher die Messe auf einer Leinwand verfolgen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Feier erlaubt, um den Bemühungen zu einer Normalisierung des Verhältnisses zum Nachbarstaat Armenien einen neuen Impuls zu geben. Erdoğan baue darauf, dass die Geste der Türkei nicht unbeantwortet bleibe, sagte er laut der Nachrichtenagentur Anadolu.

Noch vor zehn Jahren habe er sich nicht vorstellen können, dass in Akdamar so eine Messe stattfinden könne, sagte Erzbischof Aram Ateshian, der geistliche Führer der armenischen Minderheit in der Türkei, der Zeitung Hürriyet . "Vor zehn Jahren hätte ich nicht so frei über den Völkermord und die Menschenrechte sprechen können." Zu dem von ihm geleiteten Gottesdienst reisten zahlreiche Armenier in das Nachbarland. Auch türkische Armenier und Armenier aus den USA nahmen daran teil.

Die Provinz Van, in der die Inselkirche liegt, war bis zum Ersten Weltkrieg ein Zentrum der Armenier. Doch die Volksgruppe in der Region wurde durch die Massaker und Todesmärsche an den Armeniern völlig ausgelöscht. Die Beziehungen zu der Türkei sind deswegen schwer belastet. Armenien spricht von einem Völkermord mit 1,5 Millionen Opfern, was die Türkei strikt zurückweist. Bemühungen um eine Normalisierung des Verhältnisses waren in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten.

Im August hatte Erdoğans Regierung bereits mit der Erlaubnis für einen griechisch-orthodoxe Gottesdienst in einer Klosterruine in Nordostanatolien ein Zeichen gesetzt. Auch der Gottesdienst in Van ist als Entgegenkommen an die christliche Minderheit gedacht. Der Gottesdienst sei ein "positives Signal" für die Religionsfreiheit in der Türkei, erklärte der deutsche Botschafter in Ankara, Eckart Cuntz nach Botschaftsangaben.