Sejdiu zog die Konsequenzen aus einem Urteil des Verfassungsgerichts vom letzten Freitag. Danach hatte Sejdiu gegen die Verfassung verstoßen, als er beim Antritt als Staatschef im Jahr 2006 nicht den Vorsitz seiner Partei Demokratische Liga des Kosovo (LDK) aufgab. Sejdiu hatte die Führung der größten Partei im Lande lediglich auf Eis gelegt. Dass er auch den Parteivorsitz abgeben wolle, sagte Sejdiu nicht.

Als einer der Schöpfer der geltenden Kosovo-Verfassung sei er nicht der Ansicht, dass er gegen sie verstoßen habe. "Nichtsdestotrotz akzeptiere ich die andere Einschätzung des Verfassungsgerichts, obwohl ich die Entscheidung offiziell noch gar nicht erhalten habe", sagte Sejdiu in seiner vom Fernsehen übertragenen Erklärung. Seine Amtszeit hätte noch bis zum Herbst nächsten Jahres gedauert. Dann stehen auch Parlamentswahlen auf dem Programm.

Nach Darstellung albanischer Kommentatoren ist wegen des erwarteten Streits um den neuen Staatspräsidenten mit dem Ende der Regierungskoalition zu rechnen, die von Sejdius' LDK und der PDK von Ministerpräsident Hashim Thaci gebildet wird. In einer sechsmonatigen Übergangszeit muss im Parlament ein Nachfolger bestimmt werden, der dann unabhängig von den Parlamentswahlen fünf Jahre im Amt bleibt. Es sei damit zu rechnen, dass weder die LDK noch die PDK ihren Kandidaten durchsetzen kann, sodass vorzeitige Parlamentswahlen wahrscheinlich seien, hieß es.

Der im Oktober 1951 in der Gemeinde Podujevo im Norden des Landes geborene Sejdiu sah sich als Nachlassverwalter des legendären ersten Kosovo-Staatschefs Ibrahim Rugova. Der 2006 gestorbene Rugova war die Leitfigur des passiven Widerstandes der Albaner gegen die serbische Vorherrschaft in den neunziger Jahren. Unter Rugova hatte Sejdiu als Generalsekretär der gemeinsamen LDK-Partei an vorderster Linie den albanischen Boykott Serbiens organisiert.

Sejdiu war Juraprofessor an der Universität in Pristina mit dem Schwerpunkt Verfassungsrecht. Der als rational und gemäßigt national geltende Politiker gehörte im Jahr 2001 zu den Autoren der ersten Kosovo-Verfassung. Er hatte vor der Unabhängigkeit des Kosovos im Februar 2008 die albanische Seite bei den am Ende erfolglosen Verhandlungen über die Zukunft dieser früheren serbischen Provinz geleitet. Mit seiner Frau Nezafete hat er drei Kinder und lebt in Pristina.