"Dies ist ein kleiner Einsatz", antwortete der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Sahir Asimi, auf die Frage, ob der Einsatz mit der Groß-Offensive in Mardschah vergleichbar sei. Dort und in anderen Taliban-Hochburgen in der Provinz Helmand waren die Verbündeten im Februar gegen Aufständische vorgegangen. "Unser Fokus liegt auf dem Dialog mit den Menschen, auf einer verantwortungsbewussten Regierungsführung und der Entwicklung von Projekten", sagte Asimi nun zu Beginn der neuen Offensive.

Der Nato-Sprecher Josef Blotz sagte, es sei in den kommenden Tagen mit schweren Gefechten zu rechnen. In der Gegend um Kandahar ist es bereits in den vergangenen Wochen wiederholt zu heftigen Kämpfen gekommen. Die Nato-Truppen versuchen seit Längerem, die Macht der Aufständischen zu brechen und den Einfluss der Regierung von Präsident Hamid Karsai über die Hauptstadt Kabul hinaus zu sichern. "Wenn das hier erledigt ist, werden die Aufständischen gezwungen sein, die Region zu verlassen oder zu kämpfen und getötet zu werden", sagte General Blotz. "So oder so werden sie von den Afghanen getrennt werden, die sie so lange eingeschüchtert haben."

In ihrer neuen Offensive "Dragon Strike" haben die afghanische Regierung und die Nato nun offensichtlich ihre Taktik verändert: Sie sind weniger forsch als im Februar. Damals hatte das Militär den Einsatz lange vor seinem Beginn angekündigt und dann fast täglich vom Vormarsch der verbündeten Truppen berichtet. Doch nach der Einnahme der Stadt Mardschah blieb der mittel- oder gar langfristige Erfolg der Isaf aus: Die Stadt konnte nicht nachhaltig unter Kontrolle gebracht werden. Teilweise machten die Taliban sogar wieder Boden gut und kehrten in Gebiete zurück, aus denen sie vertrieben worden waren.

Möglicherweise sind afghanische Regierung und Nato auch deshalb zurückhaltender, weil die niedrige Beteiligung bei der Parlamentswahl am 18. September den geringen militärischen Erfolg und die unzureichende Unterstützung in der Bevölkerung widerspiegelt.