Die israelische Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Äußerungen von Verteidigungsminister Ehud Barak widersprochen, dass Israel in der Jerusalem-Frage zu Zugeständnissen an die Palästinenser bereit sei. Die Position des Regierungschefs sei, dass Jerusalem die "unteilbare Hauptstadt Israels" bleibe, sagte ein Mitglied von Netanjahus Delegation in Washington kurz vor Beginn der ersten direkten Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern seit fast zwei Jahren.

Verteidigungsminister Barak hatte zuvor in einem Interview mit der israelischen Zeitung Haaretz angedeutet, dass Israel Teile Jerusalems an die Palästinenser abtreten könnte. Barak sagte, dass der westliche Teil der Stadt und zwölf jüdische Viertel im Osten Jerusalems weiterhin zu Israel gehören sollten – arabische Viertel mit rund einer Viertelmillion Einwohner im Osten der Stadt hingegen an die Palästinenser gehen könnten.

Zugleich lehnte Netanjahu gegenüber US-Außenministerin Hillary Clinton eine Verlängerung des begrenzten Baustopps für jüdische Siedlungen im Westjordanland ab. Die Palästinenser hatten Israel mit Nachdruck aufgefordert, das Moratorium zu verlängern. Sie drohen damit, die geplante Neuaufnahme der Friedensgespräche zu beenden, sollte Israel den Siedlungsbau im Westjordanland wieder in vollem Umfang aufnehmen. Auch die USA fordern von ihrem Verbündeten Israel eine weitere Aussetzung des Siedlungsbaus.

Netanjahu ist inzwischen mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen. Obama empfing Netanjahu im Weißen Haus. Unmittelbar danach will Obama mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen. Offiziell beginnt die neue Runde der Friedensgespräche am Donnerstag. Es ist die erste Anlauf zu direkten Kontakten auf höchster Ebene seit fast zwei Jahren. Beide Seiten machten klar, dass der neue Terroranschlag mit vier Toten im Westjordanland die Gespräche in Washington nicht torpedieren dürfe.

Allerdings drohte Netanjahu bereits Vergeltung an. "Wir werden das Blutvergießen israelischer Zivilisten nicht ungestraft geschehen lasen", sagte Netanjahu. "Wir werden die Mörder finden." Israel werde die Auftraggeber bestrafen, sagte er nach Angaben des Außenministeriums.

Vor dem offiziellen Beginn der Friedensgespräche am Donnerstag wollte Obama außerdem noch mit dem jordanischen König Abdullah II. und dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sprechen. Am Abend stand ein feierliches Essen im Weißen Haus auf dem Programm.

Nach den Vorstellungen der USA sollen die Gespräche ein Jahr dauern. Ziel ist eine "Zwei-Staaten-Lösung", bei der Israel und ein künftiger Palästinenserstaat friedlich nebeneinander existieren sollen. Allerdings sind die radikalislamischen Hamas, die im Gazastreifen herrschen, in Washington nicht dabei. Sie lehnen die neue Friedensrunde ab.

Der künftige Status Jerusalems ist neben der israelischen Siedlungspolitik einer der Hauptkonfliktpunkte im Friedensprozess im Nahen Osten. Israel hatte den Ostteil der Stadt 1967 im Zuge des Sechs-Tage-Krieges annektiert und betrachtet die Stadt als unteilbare Hauptstadt. Die internationale Gemeinschaft hingegen erkennt dies nicht an. Die Palästinenser wollen den Ostteil der Stadt zur Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates machen.