Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas KNCA spricht bereits von einem "historischen" Parteitag. Denn auf dem ersten großen Treffen der herrschenden kommunistischen Arbeiterpartei seit 30 Jahren könnte sich entscheiden, wer das Land in Zukunft regiert. Der langjährige Diktator Kim Jong Il ist gesundheitlich angeschlagen, sodass bereits seit einiger Zeit über eine Nachfolgeregelung spekuliert wird.

Aller Voraussicht nach fiel die Wahl nun auf seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un. Zwar wurde Kim Jong Il laut japanischen Medienberichten zu Beginn des Parteitages in Pjöngjang als Generalsekretär und damit Chef der Partei bestätigt. Wenige Stunden vor Eröffnung des Treffens habe der 68-jährige Diktator jedoch in einer Anweisung seinen Sohn sowie fünf weitere Personen in den Rang eines Generals der Volksarmee erhoben, berichtete KCNA. Es war das erste Mal, dass der Name Kim Jong Uns – der erst Ende 20 ist – in den Medien des weithin abgeschotteten Staates überhaupt erwähnt wurde.

Nach Ansicht von Beobachtern bedeutet dieser Schritt die Einführung Kim Jong Uns in die politische und militärische Elite des Landes. Mit seiner Ernennung kann er nun wichtige Beziehungen knüpfen und vertiefen. Es wird zudem vermutet, dass er auf dem Parteitag auch ein wichtiges Parteiamt erhalten könnte, etwa im Zentralkomitee. Schließlich sollen während des Treffens Spitzenposten neu vergeben werden. Eine solche Entscheidung würde aber wohl nicht öffentlich bekannt gegeben.

Bereits zuvor hatte es entsprechende Hinweise gegeben, dass Kim Jong Un als möglicher Nachfolger seines Vaters infrage kommt. Südkoreanische Zeitungen berichteten unter Berufung auf nordkoreanische Quellen, dass die Armee bereits am 25. August Kim Jong Un und seinen Vater als Delegierte bestimmt habe. Nur "ranghohe Offiziere" hätten davon gewusst. Die Armee ist in Nordkorea äußerst einflussreich. Mit 1,9 Millionen Soldaten zählt sie zu den größten Streitmächten der Welt. "Es ist nun klar, dass Kim Jong Un ein ranghoher Parteiposten übertragen werden wird", zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap daraufhin einen Nordkorea-Experten an der Universität von Seoul.

Kim Jong Il selbst war auf dem letzten Parteitag 1980 als möglicher Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung benannt worden, der 1994 starb. Im offiziellen Sprachgebrauch gilt dieser weiter als Präsident des kommunistischen Landes, während Kim Jong Il als "Geliebter Führer" tituliert wird.

Vor zwei Jahren soll der 68-jährige Diktator einen Schlaganfall erlitten haben, sodass Beobachter schon seit Längerem mit dem Rückzug Kim Jong Ils von der Staatsspitze rechnen. Zwar ist über seinen Sohn im In- und Ausland noch weniger bekannt als über ihn selbst. Die japanische Tageszeitung Tokyo Shimbun berichtete vor einigen Tagen unter Berufung auf Parteidokument immerhin, dass Kim Jong Un von seinen Eltern eine "revolutionäre Erziehung und einen Sinn für Autorität" vermittelt bekommen habe. Und an der Universität, so ist in Pjöngjang zu hören, dozieren die Professoren bereits über den "intelligenten Charakter" des in der Schweiz ausgebildeten möglichen neuen Machthabers Nordkoreas.