US-Präsident Barack Obama hat offiziell den Irakkrieg der Amerikaner beendet. In einer Ansprache an die Nation zog er eine bittere Bilanz über siebeneinhalb Jahre Kampfeinsatz. Er gedachte der mehr als 4400 gefallenen und 34.000 verletzten Amerikaner.

"Die Vereinigten Staaten haben einen hohen Preis dafür bezahlt, die Zukunft des Irak in die Hände des Volkes zu legen", sagte Obama, der den Krieg von Anfang an abgelehnt hatte. Es sei im Interesse des Iraks, aber auch im Interesse der USA, dass dieser Krieg nun zu Ende ginge. Mit dem Ende des Kampfeinsatzes habe er ein Wahlversprechen erfüllt. "Während dieses bemerkenswerten Kapitels in der Geschichte der Vereinigten Staaten und des Iraks sind wir unserer Verantwortung gerecht geworden. Jetzt ist es an der Zeit, eine neue Seite aufzuschlagen."

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Zugleich wies Obama in seiner etwa 18-minütigen Rede darauf hin, dass die Gewalt im Irak nicht beendet sei. Auch der Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida gehe weiter. Daher würden die USA dem Irak weiter beistehen. "Unsere Kampfmission geht zu Ende, nicht aber unsere Verpflichtung für die Zukunft des Iraks", sagte Obama.

Der US-Präsident sprach live aus dem Oval Office im Weißen Haus zur besten Fernsehsendezeit. Er saß am selben Schreibtisch, von dem aus George W. Bush 2003 den Beginn des Kriegs bekannt gegeben hatte.

Obama blickte besorgt auf die ökonomischen Kriegskosten. "Wir haben mehr als eine Billion Dollar im Krieg ausgegeben, häufig finanziert mit geliehenem Geld aus dem Ausland." Dies habe notwendige Investitionen im eigenen Land verknappt und zu Rekordschulden beigetragen.

Jetzt komme es darauf an, dass Amerika diese Unsicherheiten überwinde. "Wir müssen der Industrie, die Arbeitsplätze schafft, Starthilfe geben und unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl beenden." Auch nach der Rezession gebe es "große Unsicherheit für viele Amerikaner". Millionen von US-Bürgern müssten wieder einen Job finden, sagte Obama. Die wirtschaftlich schlechte Lage des Landes hatte in den vergangenen Monaten die Position der Demokraten stark geschwächt . Im Hinblick auf die bevorstehende Kongresswahl am 2. November kündigte Obama an, sich nun auf die Wiederherstellung der Wirtschaft im eigenen Land zu konzentrieren.

Des Weiteren betonte der US-Präsident den Führungsanspruch Amerikas in der Welt. Dieser lasse sich aber dauerhaft nur durchsetzen, wenn es Amerika gut ginge. Sein Land trete ein für den Frieden im Nahen Osten. "Ein neuer Anstoß" für Frieden in Nahost gebe man an diesem Mittwoch in Washington, meinte er mit Blick auf die neue Runde der Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern .