Verkohlte Grundmauern, leere Fensterhöhlen, ein schwacher Brandgeruch in der Luft:  Viel ist nicht geblieben vom 200-Seelen-Dorf Mochowoje, 150 Kilometer südöstlich von Moskau.  Die Gärten mit den verbrannten Kohlköpfen, die Trümmer der alten Holzlauben, die Kellerlöcher im Boden, in denen mehrere Anwohner verzweifelt Schutz suchten, als Ende Juli die Feuerwalze vom nahen Torffeld herüberrollte, das alles ist verschwunden. Arbeiter aus Moskau haben die Spuren der Katastrophe beseitigt.

Mochowoje ist eines von mehr als 150 russischen Dörfern, die von den Waldbränden dieses Sommers völlig oder teilweise zerstört wurden. Die landesweite Katastrophenbilanz weist mittlerweile 60 Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Obdachlose auf. Die Zahlen könnten weiter steigen. Seit einigen Tagen brennt es wieder an der mittleren und unteren Wolga, mehr als 20 Dörfer stehen dort in Flammen.

Vor dem einem Mehrfamilienhaus aus Backstein, das zu den besser erhaltenen in Mochowoje zählt, parkt ein dunkelgrüner Lada. Tamara Kowolenko, eine schmale Frau Anfang Fünfzig, ist gekommen, um ein paar letzte Dinge aus der Ruine ihrer alten Wohnung zu holen.

Sie hat eine Weile gebraucht, bis sie sich wieder an diesen Ort traute. Sechs Dorfbewohner, langjährige Nachbarn, sind im Feuer ums Leben gekommen. Kowolenko konnte sich retten, aber die Wut bleibt. "Man hat uns hier ohne Hilfe gelassen", klagt die Frau. Die Flugzeuge seien erst gekommen, als die Flammen den größeren Nachbarort Beloomut und die dortige Kaserne bedrohten.

Mitte August, auf dem Höhepunkt der nationalen Katastrophe, besuchte Premierminister Wladimir Putin medienwirksam einige Brandorte und versprach unbürokratische Soforthilfe für die Opfer und neue Häuser bis zum Winter. Bei Tamara Kowolenko ist die Ersthilfe angekommen. Ihr überwies der Staat 10 000 Rubel, umgerechnet rund 250 Euro, und er lieferte auch eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und ein paar Möbel. Sie hat sie mitgenommen zu ihrem Sohn, wo sie mit Mutter und Tochter untergeschlüpft ist.

Kowolenko hat Glück gehabt, denn offiziell war in der kleinen Wohnung in Mochowoje nur ihre betagte Mutter registriert. Einigen ihrer ehemaligen Nachbarn wurde der Status des "Ausgebrannten" aus diesem Grunde nicht zugestanden. Sie müssen nun aufwendig nachweisen, dass sie in den betroffenen Häusern wohnten, verbrannte Quittungen und Eheurkunden neu besorgen. In Russland sind die wenigsten Menschen dort registriert, wo sie tatsächlich wohnen. Viele, so sagt Tamara, werden ihre Entschädigung vor Gericht erstreiten müssen.

Für die anderen aus Mochowoje, offiziell 178 Menschen, lässt Putin am anderen Ende der Nachbargemeinde Beloomut eine neue Siedlung hochziehen. Dutzende Bagger, Zementmischer und Kräne stehen auf der Großbaustelle. Seit einem Monat werkeln hier 650 Arbeiter an 149 Häuschen in acht verschiedenen Größen. Die meisten der eingeschossigen Bauten stehen schon bis zur Fensterhöhe, die ersten haben bereits ein Dach. Sie stehen in der Nähe der vier Videokameras, die Wladimir Putin hat installieren lassen, damit das ganze Land den Fortschritt der Bauarbeiten auf der Internetseite der russischen Regierung in Echtzeit beobachten kann.