Missahoe ist ein verschnarchtes Nest in den Bergen von Togo, und man braucht einige Fantasie, um in seinem Namen die deutschen Wurzeln zu erkennen. Misahöhe hieß es einst, Jesko von Puttkamer, der kaiserliche Kommissar für Togoland, hatte es so getauft – zum ewigen Gedenken an seine Geliebte Misa von Esterhazy.

Es war ein idealer Ort für einen Außenposten der deutschen Kolonialherren: Die Luft ist klar, das Klima kühler als in der schwülen Küstenebene, man war umgeben von zauberhaftem Tropenwald, hübschen Kaffeeplantagen und ebenso fröhlichen wie friedlichen Eingeborenen.

Heutzutage zeugen nur noch der verballhornte Ortsname und ein kleiner Friedhof von der glorreichen Epoche, als Togo reichsdeutsch war. Da liegen sie in hundertjähriger Einsamkeit, der Afrikaforscher Baumann und der Regierungsbaumeister Schmidt und all die anderen Pioniere, und nur noch die wunderlichen Schmetterlinge des Urwalds besuchen ihre Gräber.

Ein Friedhof der deutschen Kolonialzeit in Missahoe

Die deutsche Kolonialzeit von 1884 bis 1914 war nur eine kurze Episode in der Geschichte Togos, sie wurde im April dieses Jahres, als das Land seinen fünfzigsten Geburtstag zelebrierte, kaum noch erwähnt. Dafür war umso mehr von den Franzosen die Rede. Sie hatten den größten Teil des Togolandes von den Deutschen übernommen, die nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg alle Kolonien abtreten mussten. Erst im "afrikanischen Jahr" 1960, als viele Subsahara-Staaten die Unabhängigkeit errangen, wurde auch Togo in die Selbstständigkeit entlassen.

Die handtuchschmale Republik am Golf von Guinea war ein armes Land – und ist arm geblieben. Außer Phosphat und Zement hat es keine nennenswerten Exportgüter, die Ausfuhr von Baumwolle, Kaffee und Kakao ist infolge der allgemeinen Misswirtschaft eingebrochen. Erst in jüngster Zeit geht es wieder leicht aufwärts, doch Togo zählt nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt. Drei Viertel seiner knapp sechs Millionen Einwohner leben als Substistenzbauern von den mageren Erträgen ihrer Felder, die Arbeitslosenquote wird auf 60 Prozent geschätzt.

Die hochfliegenden Träume von Entwicklung und Wohlstand nach dem Ende der Fremdherrschaft haben sich nicht erfüllt, und das lag wie in so vielen anderen Ländern des Kontinents am Machthunger, an der Gier und der Inkompetenz der politischen Eliten. Das Scheitern verbindet sich vor allem mit einem Namen: Gnassingbé Eyadéma.

Bevor der erste Mensch den Mond betreten hatte, trampelte dieser Mann schon auf Togo herum, spottete das Wirtschaftsmagazin Economist einmal. Eyadéma gehörte zur ersten Offiziersgeneration, die im postkolonialen Afrika erfolgreich putschte. Er riss im Januar 1967 die Macht an sich und hielt sie 38 Jahre lang mit eiserner Faust fest. An der Spitze eines Einparteienregimes ließ er politische Gegner einsperren, foltern und umbringen.