Eine kleine Kammer des Straßburger Gerichts wies die Türkei an, den Hinterbliebenen von Hrant Dink insgesamt 105.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, weil der Staat ihn nicht ausreichend geschützt habe.

Dink war im Januar 2007 auf offener Straße von einem Rechtsextremisten erschossen worden. Zuvor hatte ihn die türkische Justiz wegen "Beleidigung des Türkentums" verurteilt, weil er über den Genozid an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich geschrieben hatte.

Die türkischen Behörden hätten zumindest wissen müssen, dass Dink besonders gefährdet war, befanden die Straßburger Richter. Es sei absehbar gewesen, dass ihm ein unmittelbar bevorstehender Angriff auf sein Leben drohe. Die Behörden hätten ihn darauf nicht ausreichend geschützt. Gegen das Urteil können beide Parteien binnen drei Monaten Rechtsmittel einlegen.

Dink wurde im Alter von 53 Jahren im Istanbuler Stadtteil Sisli vor dem Redaktionsgebäude seiner Zeitung Agos von dem 17-jährigen Ogün Samast ermordet. Vor dem Überfall hatte er überlegt, zu emigrieren.

Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten nach der Gewalttat gegen die Nationalisten, die den Journalisten bedroht hatten. Die Maske skandierte: "Wir sind alle Hrant Dink!" und "Wir sind alle Armenier!" Das Attentat auf Dink hatte weltweit Empörung ausgelöst.