EU-Trainingsmission in Uganda Somalische Rekruten bei der Ausbildung

"Lass beim Schießen verdammt noch mal die Augen offen! Du hast die Zielscheibe null Mal getroffen! Null, Null, Null!" Der französische Ausbilder brüllt über den Schießplatz – sein somalischer Rekrut lächelt nur, halb verlegen, halb verständnislos. Der Franzose arbeitet in Uganda für die European Training Mission Somalia, innerhalb derer 16 europäische Staaten seit April somalische Rekruten ausbilden. Auch die deutsche Bundeswehr macht mit.

Die Mission ist nicht frei von Missverständnissen, es treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Auf der einen Seite die gut ausgebildeten, disziplinierten Soldaten der Europäischen Union, auf der anderen die bunt zusammengewürfelte Truppe der somalischen Rekruten. Sie lernen Strammstehen, Marschieren und Schießen. Doch die meisten wirken verloren in ihren zu großen Uniformen und abgewetzten Rucksäcken. Statt Leder tragen viele Gummistiefel, die wenigsten von ihnen können lesen und schreiben.

In Kooperation mit der ugandischen Armee sollen aus den Rekruten bis Mai 2011 Soldaten werden. In zwei Durchgängen werden insgesamt 2000 Somalis ausgebildet. Die EU-Staaten übernehmen beim Trainingsprogramm in Uganda die Offiziers- und Unteroffiziersausbildung, sowie die Schulung im Häuserkampf, in der Minenabwehr und der Ersten Hilfe für knapp ein Zehntel der Rekruten.

Die Somalis sollen zukünftig ihre Übergangsregierung in Mogadischu unterstützen, die im Kampf gegen die islamistische al-Shabab Miliz auf so gut wie verlorenem Posten steht. Die al-Qaida nahestehende al-Shabab hatte in den vergangenen Wochen erneut Offensiven gestartet, um die von der internationalen Gemeinschaft unterstützte Übergangsregierung zu vertreiben. Die somalische Regierung wird von 8000 Soldaten der Afrikanischen Union geschützt, der Großteil der Truppen kommt aus Uganda. Dennoch kontrolliert die Regierung nur wenige Straßenzüge in Mogadischu, sowie den See- und Flughafen. Al-Shabab hingegen beherrscht fast den gesamten Süden des Landes.

Ugandische AU-Soldaten bewachen den Hafen von Mogadischu, der Hauptstadt Somalias; in der Heimat bilden sie somalische Soldaten aus

Deutsche trainieren Kommunikation im Kampf

Die neun deutschen Ausbilder der Gruppe "Kommunikation" trainieren 25 Rekruten in der Verwendung von Funkgeräten. "Die meisten Kämpfer in Mogadischu verwenden Handys zur Kommunikation", erklärt Oberleutnant Stefan Wizisk, der das deutsche Team leitet. "Die Rekruten sollen lernen, eine Kommunikation nach militärischen Richtlinien durchzuführen. Sie sollen sich gegen Überwachung und Einmischung wehren können, es geht um Abhörsicherheit."

Aus diesem Grund üben die Rekruten, was für jede reguläre Armee unerlässlich ist: In kurzen, präzisen Sätzen Informationen über ihren Standort, Feindkontakt und sonstige Vorkommnisse durchzugeben. Dazu sitzen die Somalis im Schatten unter einem Baum und bellen reihum kurze Sätze in ihr Funkgerät. Der deutsche Ausbilder steht daneben und überprüft penibel, ob auch alles stimmt. Die Ausbildung ist im Vergleich zur Vorgehensweise in Deutschland sehr praktisch angelegt. Neu gelerntes wird ständig wiederholt.