Die Zeit der Alleinregierung ist für Hugo Chávez vorbei: Die Partei von Venezuelas Präsident, die sozialistische PSUV, hat bei der Abstimmung am Sonntag die Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt. Zwar stellen ihre Abgeordneten künftig mit 90 der insgesamt 165 Mandaten die Mehrheit im Parlament. Größere Gesetzesvorhaben wird Chávez ohne Verhandlungen mit seinen Rivalen aber nicht weiter verwirklichen können. Auch die Besetzung des Obersten Gerichtshofes und der Wahlbehörde kann er nicht mehr allein bestimmen.

Die PSUV hatte in den vergangenen fünf Jahren die Nationalversammlung voll kontrolliert, da die Opposition die Parlamentswahl im Jahr 2005 geschlossen boykottierte. Nun aber traten die traditionellen Parteien zusammen im Bündnis "Tisch der demokratischen Einheit" an und kamen nach Angaben der Wahlbehörden auf mindestens 61 Mandate. Die linke Partei Vaterland für Alle erhielt zwei Sitze. Die Verteilung der weiteren Mandate war zunächst noch offen.

Der omnipräsente Chavez: Bilder vom Wahlkampf in Venezuela © Jorge Silva/Reuters

Obwohl er sein Wahlziel nicht erreicht hatte, zeigte sich der Präsident mit dem Resultat zufrieden. In seinem Twitter-Blog sprach er von einem "soliden" Wahlerfolg, der ausreiche, um den bolivarischen und demokratischen Sozialismus zu vertiefen. "Wir müssen die Revolution weiter stärken." Chávez regiert das südamerikanische Land seit 1999 und will 2012 wiedergewählt werden, um seine Politik "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" fortzusetzen.

Insgesamt waren rund 18 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 66 Prozent.

Nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, gab es große Verzögerungen bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse. Die Wahlbehörde veröffentlichte die Zahlen erst acht Stunden später. Ein Grund war, dass viele Wahllokale nicht um 18.00 (Ortszeit) schließen konnten, weil noch immer Wahlberechtigte für ihre Stimmabgabe warteten. Die Opposition zeigte sich dennoch ungeduldig, offenbar auch aus Angst vor Manipulationen. "Sie wissen, was passiert ist und wir wissen, was passiert ist", sagte der Sprecher des Oppositionsbündnisses, Guillermo Aveledo.