Unmittelbar nach einem Selbstmordanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille im Norden Afghanistans sind deutsche Soldaten in der Unruheprovinz Baghlan im Norden Afghanistans in ein Feuergefecht verwickelt worden. Die Soldaten seien bei der Sicherung des Anschlagsorts mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen worden. Das teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit. Die Kämpfe seien gegen 16 Uhr (MESZ) beendet worden.

Das Selbstmordattentat auf eine Patrouille der Afghanistan-Schutztruppe Isaf ereignete sich um 13:50 Uhr Ortszeit. Ein deutscher Soldat wurde getötet, sechs weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 26-jährigen Oberfeldwebel vom Fallschirmjägerbataillon 313 aus dem niedersächsischen Seedorf. Nach Bundeswehrangaben werden drei der verwundeten Soldaten noch im Feldlazarett in Masar-i-Scharif behandelt. Es bestehe keine Lebensgefahr. Die anderen drei seien wieder bei ihren Einheiten.

Die Bundeswehr-Patrouille hatte den Auftrag, eine Zufahrtsstraße zu sichern, als sie von dem Selbstmordattentäter angegriffen wurde. Nach Angaben des Provinzgouverneurs zündete der Täter den an seinem Körper befestigten Sprengstoff gleich neben dem deutschen Konvoi in der Nähe der Provinzhauptstadt Puli Khumri. 

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat und erklärten, der Attentäter habe acht ausländische Soldaten mit in den Tod gerissen. Angaben der Aufständischen sind in der Regel stark übertrieben.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich betroffen und sprach von einer sehr traurigen Nachricht am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan . "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Soldaten und ihren Familien", sagte er im Bundestag und verteidigte zugleich die Bundeswehr-Mission am Hindukusch. Es sei ein Einsatz, "der unserer Sicherheit dient und der in diesem Hause beschlossen wurde".

Im Parlament fand just zum Zeitpunkt des Anschlags eine Debatte über eine verbesserte Versorgung der im Einsatz verwundeten Soldaten und der Hinterbliebenen gefallener Soldaten statt. Unter den anwesenden Abgeordneten löste die Nachricht Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "feigen Anschlag". Die FDP-Verteidigungspolitikerin Elke Hoff sagte: "Ich möchte an der Stelle auch für meine Fraktion die tiefe Betroffenheit, das tiefe Bedauern zum Ausdruck bringen."

Auch Linksfraktionschef Gregor Gysi sprach den Verletzten und den Angehörigen des toten Soldaten das Mitgefühl seiner Fraktion aus, erneuerte aber zugleich seine politische Forderung, wonach die Bundeswehr sich umgehend aus Afghanistan zurückziehen müsse. "Das tragische Ereignis führt noch einmal vor Augen, dass der Krieg die Lage in Afghanistan um keinen Deut verbessert hat", sagte er. "Noch nie wurden so viele ausländische Soldaten getötet und verletzt wie in diesem Jahr."

Zum wiederholten Mal nutzten die Taliban einen symbolträchtigen Tag für eine Attacke. Die beiden letzten tödlichen Angriffe im April fanden am Karfreitag – einem der höchsten christlichen Feiertage – und während eines Besuchs Guttenbergs im Einsatzgebiet statt. Insgesamt wurden dabei sieben Soldaten getötet. Guttenberg hatte mehrfach gesagt, dass er noch im Sommer mit weiteren Toten rechne. Auf der anderen Seite gab es aber auch die Hoffnung, dass sich die Sicherheitslage nach den Parlamentswahlen im September verbessern würde.

Seit genau neun Jahren kämpft die internationale Schutztruppe in Afghanistan gegen die aufständischen Taliban . Rund 120.000 Soldaten gehören zur Isaf, 47 Länder sind an dem Einsatz beteiligt. Deutschland ist mit 4800 Soldaten nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Isaf-Truppensteller.

Bislang sind insgesamt 44 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Schon im kommenden Jahr will die internationale Schutztruppe Isaf die ersten Provinzen an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Bis 2014 soll das komplette Land wieder in der Sicherheitsverantwortung der Einheimischen sein.